Sieben Wochen ohne Vorsicht?

Koch meint…

Also der Einzige bin ich bei uns nicht gewesen, der das zunächst für einen Faschingsscherz gehalten hat: das Motto der Fastenaktion der evangelischen Kirche „7 Wochen ohne“ für 2013. Das so lautet: „Riskier was, Mensch! Sieben Wochen ohne Vorsicht“. Aber es war und ist kein Joke. Es ist vielmehr ernst gemeint. Was unsereins dann doch ein bisschen mit dem Kopf schütteln lässt.

Aber der Reihe nach: Auch den Erfindern des besagten Mottos scheint selber nicht ganz wohl zu sein! Jedenfalls schieben sie ihrem Slogan via Pressemitteilung die folgende Begründung hinterher: „Das klingt wie der Auftrag zu Leichtsinn und Rabaukentum. Aber auch in der Bibel wimmelt es von unvorsichtigen Männern und Frauen. Menschen, die übers Wasser laufen, Hochschwangeren, die auf Reisen gehen, ohne auch nur ein Hotel zu buchen, oder unstudierten Wanderpredigern, die es sich mit Staat und Klerus gleichzeitig verscherzen.“

Sorry, aber habe ich da möglicherweise etwas falsch verstanden? Jedenfalls ist Petrus nach allem, was ich weiß, damals am See Genezareth nicht der erste Extremsurfer der Kirchengeschichte gewesen. Er hat vielmehr an Jesus geglaubt, wenn auch nicht genug, weshalb er beinahe untergegangen wäre. Und Jahre davor haben sich Maria und Joseph alles andere als freiwillig auf einen Abenteuertrip begeben. Sie sind vielmehr gezwungenermaßen ohne Netz und doppelten Boden nach Bethlehem getreckt und dort in einer Absteige gelandet, die ihnen gewiss keinen Kick gegeben hat. Nein, die Vergleiche hinken und machen auf cool, nur um einen verbalen Missgriff zu rechtfertigen beziehungsweise mehr schlecht als recht zu kaschieren.

Wobei man darüber ja noch reden könnte: dass „die Fastenden ihre Manschetten ablegen und Tacheles reden: ein offenes Wort wagen, auch wenn der Chef stirnrunzelnd danebensitzt, oder dem Partner mutig sagen, dass er sich verrennt.“ Nur hat das mit außer acht gelassener Vorsicht gar nichts, dafür umso mehr mit Courage zu tun. Was zweierlei Paar Stiefel sind.

Und dann soll sich das Motto auch noch „direkt auf das von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ausgerufene Jahr der Toleranz beziehen“. Bei dem „Gegensätze, unterschiedliche Auffassungen und Ansichten … im zwischenmenschlichen Gespräch ehrlich ausgetauscht werden und nicht hinter einer Mauer des Schweigens, der Abwendung und des Desinteresses verschwinden“ sollen. Auch damit kann ich leben. Nur dass man hier ebenfalls sagen muss: Mit Mut und von mir aus auch Risiko hat das einiges, mit Unvorsichtigkeit dagegen rein gar nichts zu tun. Was auch gut so ist. Weil unvorsichtig zu sein keine Tugend, sondern schlicht Blödsinn ist.

Langer Rede, kurzer Sinn: Die Fastenaktion „Sieben Wochen ohne“ ist eine klasse Sache, und das auch im Jahr 2013. Aber das diesjährige Motto ist zumindest in Hälfte zwei ziemlich missraten. Weil auch zwischen Aschermittwoch und Ostern Vorsicht die Mutter der Porzellankiste ist. Und also lautet die Devise: Mut und Courage, ja bitte! Leichtsinn, nein danke! Was ich so ganz unvorsichtig zu sagen riskiere. Um dann auch noch etwas hinterher zu schieben, nämlich den Vorschlag für ein alternatives Motto: „Trau dich, Mensch! Sieben Wochen ohne Feigheit“. Aber dafür ist es jetzt natürlich zu spät.

Das meint Koch. Und was meinen Sie?

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