Der Fall des Christian Wulff

Koch meint…

Bundespräsident Christian Wulff ist zurückgetreten. Zu spät, wie auch er selber jetzt wohl weiß. Und auf keinen Fall mehr freiwillig. Sofern man überhaupt noch von einem Rücktritt sprechen mag. Denn eigentlich ist Christian Wulff aus seinem Amt vertrieben worden. Von dem er wider besseren Wissens nicht lassen wollte. Umso tiefer jetzt sein Fall. Und auch wenn insbesondere die Medien bei dieser traurigen Geschichte zuweilen die Grenzen der journalistischen Seriosität überschritten haben: Schuld am Sturz des Bundespräsidenten sind sie nicht. Wulff hat sich vielmehr selbst demontiert. Und das ist es, was einen fassungslos macht.

Mir fällt in diesem Augenblick wie vor einem Jahr bei Karl-Theodor zu Guttenbergs misslungenem Rücktritt wieder einmal nur Leopold von Ranke ein. Dessen ernüchterndes Wort, dass nicht Blindheit und Unwissenheit Menschen ins Verderben führen, sondern diese sich selbst, gerade für Politiker von zeitloser Gültigkeit zu sein scheint: „Nicht lange bleibt ihnen verborgen, wohin die eingeschlagene Bahn sie führen wird. Aber es ist in ihnen ein Trieb …, dem sie nicht widerstehen, der sie weiter vorwärts reißt, solange sie noch einen Rest von Kraft haben. Göttlich ist der, welcher sich selbst bezwingt. Die meisten sehen ihren Ruin vor Augen, aber sie gehen hinein.“

2011 wie auf Minister zu Guttenberg, heute wie auf Präsident Wulff gemünzt. Dem es offensichtlich zu keiner Zeit gelungen ist, jene Distanz zu wahren, die es braucht, wenn man von anderen und deren Geld unabhängig bleiben will.

Und doch ist dies alles kein Anlass für Häme. So wenig wie einem umgekehrt der christliche Glaube Mitleid und Bedauern vorschreiben würde. Aber mitfühlen kann und darf man schon. Weil alles andere unbarmherzig wäre. Oder will wirklich einer von uns den ersten Stein auf Christian Wulff werfen? Johann Ludwig Deinhardstein weiß es besser:

Werft keine Steine auf jene, die gefallen!

Der Mensch ist schwach, Versuchung über allen.

Vielleicht hat nichts euch mit der Welt entzweiet.

Vielleicht das Glück euch nur vom Fall befreiet.

Nur keinen Stein!

Und jetzt wünschen wir uns nach dem Fall des Christian Wulff einen Bundespräsidenten, der seinem Amt wieder alle Ehre macht. Und der, wie Wulff in seiner Rücktrittserklärung selber gesagt hat, das Vertrauen des ganzen Volkes genießt.

Das meint Koch. Und was meinen Sie?


Zur Quelle

Schreibe einen Kommentar

*