Volk, stimm ab!

Koch meint…

Am kommenden Sonntag, also am 1. Advent, ist Volksabstimmung, und ich habe einen Traum: Ganz viele geben ihre Stimme ab, das Quorum wird erreicht, und danach ist alles gut in Sachen Stuttgart 21 – so oder so.

Aber vielleicht ist das ja nur ein ebenso verfrühter wie unerfüllbarer Weihnachtswunsch von mir. Was mich aber ehrlich gesagt gar nicht stört. Weil ich in diesen Tagen keine andere Möglichkeit sehe, als auf den 27. November zu hoffen. Oder wollen wir im Ernst so weitermachen wie bisher? Ich jedenfalls will es nicht, und das aus tausendundeins Gründen. Von denen mir dieser hier mit am wichtigsten ist: Man sollte einen Streit nicht so lange schwelen lassen, bis er zum Flächenbrand wird.

Weshalb ich nicht zuletzt mangels Alternativen auf die Volksabstimmung setze, aber auch selber natürlich durchaus skeptisch bin. Immerhin hat Thomas Jefferson, einer der amerikanischen Verfassungsväter, einmal gesagt: „Information ist die Währung der Demokratie.“ Keine Frage: In Sachen Stuttgart 21 schwimmen wir informationsmäßig im Geld. Aber was davon harte Währung ist, ist alles andere als ausgemacht. Es sei denn, man gehört dem Pro- oder dem Contralager an. Dem Otto-Normalvolksabstimmer aber – und von dieser Spezies gibt es viele – hätte man Verlässlicheres gewünscht als eine regierungsamtliche Broschüre mit zehn Argumenten für und zehn Argumenten gegen die Kündigung und Auflösung der Finanzierungsvereinbarung zu Stuttgart 21. Aber vielleicht ist ja auch das wieder nur so eine Illusion von mir.

Dass viele am 1. Advent zu den Urnen gehen, braucht freilich kein Wunschtraum zu bleiben. Briefwahl ist möglich. Und am Sonntag natürlich der Gang zum Abstimmungslokal. Der keinem von uns zu viel sein sollte. Denn Stuttgart 21 geht alle Baden-Württemberger etwas an – je nach Sicht der Dinge als unverzichtbares oder überflüssiges Verkehrsprojekt, auf jeden Fall aber über das Geld. Ganz abgesehen davon – und davon bin ich fest überzeugt –, dass wir nur dann Frieden im Ländle bekommen, wenn das Nein oder Ja zum Ausstieg tatsächlich repräsentativ ausfällt. Wofür das Quorum hierzulande eine hohe Hürde ist. Aber da wir angeblich außer Hochdeutsch alles können, können wir auch über diese Hürde drüber kommen.

Und in den Tagen vor und hoffentlich auch nach der Volksabstimmung entkrampft miteinander umgehen. Was mir Mut macht, ist diese kleine Episode vom Wochenende: Stuttgart 21-Befürworter teilen eine Broschüre mit einem schlimmen Druckfehler auf dem Titelblatt aus. Die Antwort der „Gegner“: „Kein Wunder, dass es euch unter die Erde treibt – bei d e n Rechtschreibkenntnissen!“ Ist doch besser als verbale und sonstige Gewalt.

Übrigens: Im Advent erwarten wir den, welcher der Erde Frieden bringt. Warum dann nicht auch schon vom 1. Advent ein bisschen was Friedenstiftendes erhoffen?

Wie auch immer: Volk, stimm ab! Und denk dabei daran: Nein heißt Ja und Ja heißt Nein!

Das meint Koch. Und was meinen Sie?


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