Denn sie wissen nicht, was sie tun

Koch meint…

Stellen wir uns für einen Augenblick einfach einmal vor, wir wären in Sachen Stuttgart 21 noch nicht festgelegt! Was beim einen oder andern ja durchaus der Fall sein dürfte. Dann müssten wir uns doch zumindest an diesem einen Punkt absolut einig sein: Das mit der babylonischen Zahlenverwirrung ist unerträglich! Oder geht das etwa nur mir so, dass ich langsam wirklich nicht mehr weiß, was ich noch glauben und wem ich trauen soll? Dabei meine ich, selber halbwegs ordentlich in der Materie drin zu sein. Aber natürlich nicht so wie die eigentlichen Experten. Nur hauen die einem in schöner Regelmäßigkeit Zahlen, Daten und Fakten um die Ohren, die lediglich eines gemeinsam haben: dass sie beim besten Willen auch nicht annähernd zur Deckung zu bringen sind. Beispiel gefällig? In einer Pro- und Contra-Broschüre, welche die Landesregierung zur Volksabstimmung am 27. November verteilen lässt, werden die Kosten für einen Ausstieg aus Stuttgart 21 von den Projektgegnern auf unter 350 Millionen, von den Befürwortern auf bis zu 1,5 Milliarden Euro beziffert. Ja was denn nun?

Aber so geht das jetzt schon seit vielen Jahren, und nichts, aber auch gar nichts ist wirklich klar: neben den Ausstiegskosten auch die Baukosten nicht, ebenso wenig die alternative Trassenführung von K 21, die Realisierbarkeit des Kopfbahnhofprojekts überhaupt, ja noch nicht einmal die Zahl der im Stuttgarter Schlossgarten zu fällenden Bäume oder die tatsächliche oder nur vermeintliche Gefährdung der Mineralquellen. Und, und, und. Wobei es natürlich nicht so ist, dass nicht jede Seite von sich behaupten würde, im Besitz der Wahrheit zu sein. Aber zwischen den einen und den anderen Angaben klafft eine dermaßen große Lücke, dass nur eine doppelte Vermutung noch möglich ist: entweder beherrscht hier keiner auch nur das kleine Einmaleins oder es wird gelogen, dass sich die Balken biegen. Was weder so noch so vertrauenfördernd ist.

Dabei hatte ich, gutgläubig oder naiv wie ich bin, gehofft, dass wenigstens im Vorfeld der besagten Volksabstimmung dem Wahlvolk halbwegs die zahlenmäßige Wahrheit unterbreitet wird. Damit es sich gut informiert pro oder contra Ausstieg aus Stuttgart 21 entscheiden kann. Aber spätestens jetzt und damit drei Wochen vor dem Urnengang ist diese meine Hoffnung endgültig dahin. Was vor allem für die vielen noch Unentschiedenen bedeutet: Sie können gar nicht in der Sache selber entscheiden, sondern müssen für sich die Frage beantworten, wem sie überhaupt noch glauben können. Wie vor diesem Hintergrund besagte Volksabstimmung eine befriedende Wirkung haben soll, weiß der Himmel. Jedenfalls wird von der Politik und weit darüber hinaus gerade eine Riesenchance vertan und immenser Schaden angerichtet. Der vielleicht sogar irreparabel ist. Weshalb mir zu den für die babylonische Zahlenverwirrung Verantwortlichen, und zwar auf beiden Seiten, nur eines noch einfällt: Denn sie wissen nicht, was sie tun!

Das meint Koch. Und was meinen Sie?


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