Nichtabstiegshilfe

Koch meint…

Hurra, wir leben noch! Dabei sind wir zwischendrin fast schon mausetot gewesen. Weil wir nach der Hinrunde gerade mal zwölf läppische Pünktchen auf dem Konto hatten. Da sah wirklich alles nach Abstieg aus. Aber nun ist nicht etwa der VfB, sondern sind Frankfurt und St. Pauli aus der Fußballbundesliga abgestiegen. Definitiv. Während Stuttgart zumindest in der Hinsicht definitiv oben bleibt, und das vor allem dank der Hilfe – na ja, aus Ulm.

Aus Ulm und also nicht wegen Bruno Labbadia, dem neuen Trainer, Cacaus wiedererwachtem Torinstinkt oder der so gar nicht mehr erwarteten Paraden eines Sven Ulreich im Tor? Wobei ich das mit dem Ulm natürlich erklären muss, und zwar so:

In Ulm und um Ulm herum zieht, um in der Fußballersprache zu bleiben, in Sachen evangelischer Kirche Gabriele Wulz die Fäden. Nur dass man sie nicht wie, sagen wir mal, Mesut Özil einen Spielmacher, sondern Prälatin, das heißt Regionalbischöfin nennt. Die als solche für das ganze protestantische Feld von der Ostalb bis zum Bodensee zuständig ist und dabei ab und zu auch aus der Tiefe des Raums zu kommen pflegt. So wie in der vergangenen Woche, als die Prälatin aus Ulm die Frage nach dem Verhältnis von Fußball und Kirche geschickt angenommen und die Antwort darauf zur allgemeinen Überraschung sozusagen volley im Tor versenkt hat: „Manchmal muss man beten – zum Beispiel wenn’s schwierig läuft wie beim VfB!“ Und weil sie das nicht in Ulm, sondern mitten auf dem Stuttgarter Marktplatz gesagt hat, muss sie auch tatsächlich den hiesigen VfB und nicht beispielsweise den aus Friedrichshafen gemeint haben. Für den sie eigentlich sehr viel eher zuständig wäre als für die Kicker vom Cannstatter Wasen.

„Manchmal muss man beten – zum Beispiel wenn’s schwierig läuft beim VfB!“ Wer aber so etwas sagt, und das als ganz hohe Kirchenfrau sagt, der tut es auch. Weshalb zumindest mir als ganz niedrigem Kirchenmann vollkommen klar ist, wem Stuttgart seinen Nichtabstieg tatsächlich zu verdanken hat: dem Gebet der Prälatin aus Ulm, dem der Fußballgott sich nicht verschließen wollte.

Schade nur, dass es in der Mercedes-Benz Arena keine Stadionkapelle gibt! Sonst könnten wir VfB-Fans jetzt dahin pilgern und Dankopfer darbringen für die Nichtabstiegshilfe in letzter Minute. Unsere Herzen aber gehören auf jeden Fall Gabriele Wulz. Und falls wieder einmal, was Gott verhüten möge, beim VfB nur noch beten hilft, wissen wir, an wen wir uns wenden müssen. Womit wir die Saison 2010/2011 jetzt zu den Akten legen können. Oder anders ausgedrückt: Schlusspfiff und Amen!

Das meint Koch. Und was meinen Sie?


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