Ich war’s!

Da wird uns ab Aschermittwoch ja ordentlich was zugemutet: „Ich war’s! – Sieben Wochen ohne Ausreden“. So jedenfalls lautet das Motto der diesjährigen Fastenaktion der evangelischen Kirche. Was nichts anderes heißt, als dass 2011 kein Alkohol-, Nikotin-, Süßigkeiten- oder Fernsehverzicht, sondern Ausredenfasten angesagt ist, und das von jetzt bis Ostern. Übrigens eine ganz schön lange Zeit. Denn schon ein einziger Tag ohne Ausreden stellt eine ziemliche Herausforderung dar. Weil nicht nur Politiker, sondern wir alle Weltmeister im Ausredenerfinden sind. Und deshalb ist das mit dem „Sieben Wochen ohne Ausreden“ auch eine Sache, die jede und jeden von uns angeht.

Aber sind Ausreden eigentlich tatsächlich und sozusagen per se ein Problem? Glaubt man dem Sprichwort, dann nicht: „Eine gute Ausrede ist nie schlecht.“ Mehr sogar: „Eine gute Ausrede ist drei Batzen wert.“ Oder aus eigener menschlicher Erfahrung gesprochen: Mit der reinen Wahrheit wird oft mehr Porzellan zerschlagen als mit ein bisschen Diplomatie.

Nur soll hier natürlich kein Loblied auf die Ausrede gesungen werden. Weil jede Ausrede eine kleine Lüge ist. Und weil man beim allzu häufigen Sich-Herausreden möglicherweise das Gefühl für die Wahrheit verliert. Sodass irgendwann aus einer kleinen Ausrede eine große Lüge wird, man aber immer noch glaubt, im Recht zu sein. Ein Schelm, der Guttenberg dabei denkt!

Warum jedoch geht uns ein „Ich war’s!“ oder so ähnlich dermaßen schwer über die Lippen? Gründe dafür gibt es wie Sand am Meer oder eben wie Ausreden auf der Welt: weil man sich manchmal schlicht keinen Fehler erlauben darf und deshalb auch nicht zu einem Fehler stehen kann; weil Fehler peinlich sind; weil man für Fehler die Verantwortung übernehmen und die Konsequenzen tragen muss; und weil es schlicht und einfach menschlich ist, sich nicht bei einem Fehler oder gar einer Verfehlung ertappen lassen zu wollen.

Trotzdem propagiert meine und unsere evangelische Kirche „Sieben Wochen ohne Ausreden“, und das letztendlich aus einem wirklich guten Grund. Lügen – und jede Ausrede ist, wie gesagt, eine kleine Lüge –, Lügen haben nämlich kurze Beine, wie es im Volksmund so schön heißt. Sprich meist kommt die Wahrheit doch heraus. Dann aber kann ich sie gleich sagen. Und anschließend unbelastet in die Zukunft gehen. Oder, um es mit der Bibel auszudrücken: „Die Wahrheit wird euch frei machen.“ (Johannes 8,32)

Nehmen wir uns also einmal ein paar weniger Ausreden erst für heute, dann für morgen, dann für übermorgen vor! Und nehmen wir es stattdessen mit der Wahrheit einmal so richtig genau! Ob daraus dann sieben Wochen werden: Schaun mr mal! Wobei uns der Schriftsteller Max Frisch zeigt, wie man die Wahrheit richtig sagt: „Man soll dem anderen die Wahrheit nicht wie ein nasses Tuch um den Kopf schlagen, sondern sie ihm wie einen Mantel hinhalten, damit er hineinschlüpfen kann.“

Jemand in die Wahrheit hineinschlüpfen lassen: Ist das nicht besser als die beste Ausrede und darum weit mehr als drei Batzen wert?

Das meint Koch. Und was meinen Sie?

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