„Sehet das Reich Gottes ist mitten unter Euch“

In seinem letzten Bericht als Ratsvorsitzender vor der EKD-Synode wirbt Bedford-Strohm für eine Perspektive der Hoffnung

Zum Auftakt der pandemiebedingt digital tagenden Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hat Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm am heutigen Sonntag (7. November) seinen letzten Bericht als Ratsvorsitzender gehalten. Dabei warb er für eine christliche Perspektive der Hoffnung auf die Welt.

„Wer heute von Theologie der Hoffnung spricht, setzt sich – zumal in Zeiten noch immer nicht überwundener Pandemie – schnell dem Verdacht aus, einen billigen Optimismus verbreiten zu wollen“, so der Ratsvorsitzende. Die christliche Hoffnung sei aber kein billiger Optimismus, der über die Abgründe menschlichen Leids hinweggehe und die Verhältnisse krampfhaft beschönige. Hoffnung durch die Verdrängung von Leiden, Unrecht, Gewalt und Naturzerstörung zu erkaufen, sei für den christlichen Glauben schlicht unmöglich.

„Wir glauben an einen Gott, dessen menschliche Gestalt Jesus mit einem Schrei der Gottverlassenheit am Kreuz gestorben ist. Das ist der Gott, an den wir glauben, den wir manchmal nicht verstehen können, von dem wir aber nicht lassen können. Wie könnten wir an diesen Gott glauben und über all das Leiden in dieser Welt hinwegsehen? Und zugleich glauben wir, dass dieses Leiden nicht das letzte Wort ist.“

Bedford-Strohm nahm die verschlechterte Pandemielage zum Anlass, an „eines der größten Defizite im Umgang mit der Pandemie weltweit“ zu erinnern: „Während wir hierzulande fast verzweifelt dafür werben, dass mehr Menschen sich impfen lassen, weil das die einzig wirklich wirksame Möglichkeit ist, die Pandemie zu bekämpfen, hat ein großer Teil der Menschheit noch immer gar nicht die Möglichkeit dazu. Die Impfrate in Afrika liege noch immer erst knapp über fünf Prozent. Zu den Gründen gehörten die Skepsis gegenüber dem Impfstoff und Fehlinformation über seine Wirksamkeit ebenso dazu, wie schlechte Regierungsführung und mangelnde Verteilungskapazitäten. „Der wichtigste Grund bleibt aber der Mangel an Impfstoff. Was sagt das eigentlich über die Ernsthaftigkeit unserer auf der jüdisch-christlichen Tradition gründenden Überzeugung, dass jeder Mensch gleichermaßen geschaffen ist zum Bilde Gottes? Kann eine Kultur, die sich auf diese Überzeugungen gründet, mit der Verteilung von Impfstoff nach der Devise ‘Das Hemd ist mir näher als der Rock‘ handeln?“ Um Afrika und andere ärmere Länder mit dem Impfstoff zu versorgen, müsse genug Geld zur Verfügung gestellt werden, um Produktion und Verteilung sicherzustellen. „Das Ziel des Schutzes aller Menschen weltweit verlangt nochmals größte Anstrengungen aller, insbesondere auch das Teilen des Wissens und des Know-Hows der Impfstoff-Unternehmen.“

Im Blick auf viele in seiner siebenjährigen Amtszeit als Ratsvorsitzender diskutierte Fragen sagte er: „Was auf den ersten Blick nur als politische Diskussion erscheint, ist in Wirklichkeit ein Ringen um gelebten Glauben, um gelebte Liebe, um gelebte Hoffnung. Für uns Christinnen und Christen geht es darum, die Zeichen des Reiches Gottes im Hier und Jetzt zu sehen. Das können wir aber nur, wenn wir wirklich aus der Kraft des Reiches Gottes leben“, so Bedford-Strohm. „Deswegen hängt Frommsein und Politischsein so eng zusammen. Es geht darum, im Blick auf die Welt den gekreuzigten Gott zu sehen. Und beim Blick darauf zugleich den Horizont der Auferstehung Jesu Christi zu sehen.“

Am Dienstag wählt die Synode der EKD einen neuen Rat und am Mittwoch einen Amtsnachfolger oder -nachfolgerin im Ratsvorsitz. „Es ist am Ende meiner Zeit als Ratsvorsitzender eine große Dankbarkeit, die mich erfüllt und mit der ich dieses Amt nun gerne in andere Hände lege“, so Heinrich Bedford-Strohm, der sich in den kommenden zwei Jahren auf seine Aufgabe als Landesbischof konzentrieren möchte. „Ihnen und Euch allen, die Sie und Ihr nun neu an den Start geht, wünsche ich von Herzen viel Kraft und Gottes Segen!“

Der gesamte mündliche Bericht des Ratsvorsitzenden, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, ist abrufbar unter www.ekd.de/ratsberichtbremen2021.

Die digitale Tagung der EKD-Synode kann im Livestream mitverfolgt werden unter www.ekd.de/stream.

Hannover, 7. November 2021

Pressestelle der EKD
Carsten Splitt

Über die Synode der EKD: Die Synode der EKD ist neben Rat und Kirchenkonferenz eines der drei Leitungsorgane der EKD. Sie tagt vom 7. bis 10. November in Bremen. Nach der Grundordnung der EKD besteht die 13. Synode aus 120 Mitgliedern. Zu den Aufgaben der Synode zählen die Erarbeitung von Kundgebungen und Beschlüssen zu Fragen der Zeit sowie die Begleitung der Arbeit des Rates der EKD durch Richtlinien. Die Synode berät und beschließt aber auch den Haushalt und die Kirchengesetze. Geleitet wird die Synode vom Präsidium unter dem Vorsitz von Präses Anna-Nicole Heinrich. Sie ist zugleich Mitglied des 15-köpfigen Rates der EKD. Vorsitzender des Rates der EKD ist Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. Die EKD ist die Gemeinschaft von 20 lutherischen, reformierten und unierten Landeskirchen. 20,2 Millionen evangelische Christinnen und Christen in Deutschland gehören zu einer der 13.200 Kirchengemeinden.

EKD-Synode 2021

Die 2. Tagung der 13. Synode der EKD findet vom 7. bis 10. November 2021 digital statt. Auf dieser Seite finden Sie alle Informationen zur Synodentagung und der Wahl des neuen Rates der EKD.

Quelle: Evangelische Kirche in Deutschland: Presse ( https://www.ekd.de/rss/presse.xml)
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