‚Wie die fremde Welt die Hand reichte‘

Als später in ihren Steuerunterlagen stand, sie sei „evangelisch-lutherisch“, war sie ein wenig verblüfft und trat aus der Kirche aus, der sie sich nie zugehörig gefühlt hatte. „Die Vorstellung, einen Gottesdienst zu besuchen, hatte in meinem Leben etwa so viel Platz wie Tulpen im Oktober“, schreibt sie. Doch dann begegnet sie in ihrem Beruf Menschen, die ihr eine andere Sicht eröffnen. Ohne den kritischen Blick zu verlieren, erlebt sie eine „fremde Welt“, die ihr die Hand reicht.

Für eine Auftragsarbeit interviewt sie die evangelische Superintendentin Christine Schmid. Es geht um die Wirtschaftskrise, aber die leitende Lüneburger Theologin nimmt Worte wie „Seele“ und „Mitgefühl“, in den Mund. Sie sagt: „Der Mensch darf nicht auf Rationalität und Leistung reduziert werden.“ Carolin George fühlt sich angesprochen, ohne dass dies gleich Konsequenzen hat.

Später schreibt sie ein Buch über Kirchen und Kapellen in der Region. Vieles, was sie dort sieht, versteht sie nicht. Die christliche Symbolik ist ihr fremd, doch die Atmosphäre mancher Sakralräume berührt sie. Als sie eine persönliche Krise durchlebt, wendet sie sich dann erneut an die Theologin Schmid. „Mit Freunden zu sprechen oder einem Therapeuten, hätte mir nicht weitergeholfen“, sagt sie. „Ich hatte das Gefühl, ich brauche eine Seelsorge.“

Carolin George schildert im Buch eine Annäherung. „Keine Sorge, was jetzt folgt, ist kein Buch über meine Bekehrung. Keine Geschichte darüber, dass mich der Blitz traf, und ich seither beseelt-schwingenden Schrittes durch das Leben springe“, schreibt sie gleich am Anfang. Sie fängt an, Kirchen zu besuchen, auch einmal einen Gottesdienst. Mit dem Glauben an „Ersiees“ Gott gewinnt sie eine neue Freiheit, wie sie sagt. Der Glaube stärke sie, lasse sie lieben und vergeben – auch sich selbst, wenn eigene Erwartungen zu hoch werden. Einen Tag nach ihrem 42. Geburtstag bekräftigt sie ihr neues Lebensgefühl, indem sie sich bei ihrer Konfirmation den Segen zusprechen lässt.

Üblich ist das nicht. Denn Menschen, die als Kind getauft wurden, gehören nach dem Verständnis der lutherischen Kirchen zur christlichen Gemeinschaft, auch wenn sie sich später nicht konfirmieren lassen. Doch Carolin George ist das wichtig. In einem „Brief an Gott“ schrieb sie damals: „Ich freue mich wahnsinnig, dass wir uns endlich kennengelernt haben. Lass uns weiter so machen.“

Quelle: Evangelische Kirche in Deutschland: Nachrichten ( https://www.ekd.de/rss/editorials.xml)
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