„Das hat sich ganz schön zurechtgerüttelt“

Mehr Eigenverantwortung

Es braucht – so unsere Erfahrung – immer Menschen, die sagen: Das ist meine Kirche. Sonst werden wir sie auch nicht mit viel Geld erhalten können. Seit 20 Jahren gibt es jetzt die KiBa, die Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland der EKD. Die hilft, Gebäude zu erhalten, aber sie gibt das Geld nur dorthin, wo auch Initiative ist. Dass die KiBa hier im Osten so viel hilft, liegt auch daran, weil sich hier so viele Menschen engagieren.

Der jetzige Ratsvorsitzende, Heinrich Bedford-Strohm, sagte in einem Interview, es gebe immer noch Defizite beim innerkirchlichen Vereinigungsprozess. Sehen Sie das auch so?

Noack: Da spielt er darauf an, dass im jetzigen Rat überhaupt kein Mitglied aus dem Osten ist. Das ist natürlich unmöglich, das ist wirklich ein Skandal. Im November wird ja neu gewählt, und da muss das wieder anders werden!

Wo sehen Sie sonst noch offene Baustellen?

Noack: Ich sehe das eigentlich positiv: Der Osten hat einen viel stärkeren Einfluss gewonnen, als man dachte. „Von uns bleibt nichts“, hatten damals manche befürchtet, da gab es eine große Traurigkeit. Und jetzt, nach dreißig Jahren, merkt man, wie sehr sich die Kirche verändert hat durch das Hinzutreten des Ostens.

Zum Beispiel?

Noack: Wir haben zum Beispiel im Osten ein ganz anderes Verhältnis zwischen Lutherischen, Unierten und Reformierten gehabt. Im Westen war das viel stärker getrennt, und niemand hätte gedacht, dass man mal von der EKD als von einer Kirche sprechen würde. Alle haben gesagt, das ist ein Kirchenbund, und in den ersten Synoden sprang immer jemand auf und schrie: „Die EKD darf keinen Bischof haben, denn sie ist keine Kirche.“ Bischof meinte Auslandsbischof und Militärbischof. Heute würde das kein Mensch mehr sagen, und 2019 ist es endlich auch durch alle Gliedkirchen abgestimmt, dass die EKD als eine Gemeinschaft von Kirchen auch Kirche ist. Das hätte doch niemand zu träumen gewagt!

Die Kirche ist also stärker zusammengewachsen?

Noack: Ja. In der EKD-Synode gab es früher so ein Gruppendenken die Frommen waren meist sehr konservativ, und die Linken waren meist nicht so richtig fromm. Und jetzt sagten die Synodalen aus dem Osten: Wir wissen gar nicht, wo wir hingehören, wir sind links und fromm. Dieses Gruppendenken spielt heute kaum noch eine Rolle. Das hat sich meines Erachtens durch das Hinzutreten des Ostens verändert.

Quelle: Evangelische Kirche in Deutschland: Nachrichten ( https://www.ekd.de/rss/editorials.xml)
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