Gemeinsame Erklärung zum Hiroshima-Tag 2020

Am 6. August vor 75 Jahren veränderte ein Bombenabwurf eine ganze Epoche. Dieser Einsatz der Atombombe(n) hatte fatale Folgen für die Bevölkerung von Hiroshima und Nagasaki. Nukleare Kampfführung und Abschreckung sind jedoch keine Gespenster der Geschichte. Es existieren weltweit immer noch 16.000 Atomsprengköpfe und in der Gegenwart gewinnen sie wieder zunehmend an strategischer Bedeutung. Diese besorgniserregende Entwicklung kann uns katholische und evangelische Geschwister nicht unberührt lassen. 

Heute begehen wir dem Gedenktag des Atombombenabwurfs über Hiroshima. An diesem Tag sind unsere Gedanken vor allem bei den ungezählten zivilen Opfern. Sie haben ihr Leben in einem aussichtslosen Krieg gelassen und das atomare Inferno erlitten.  

Der Blick in die Vergangenheit ist uns Mahnung für die Gegenwart und Zukunft. Aktuell müssen wir eine fatale Deregulierung internationaler Nuklearwaffenabkommen und Rüstungspolitik erleben. Eingebettet in die globale Krise der Diplomatie rückt hierdurch die Gefahr atomarer Gewalteskalation in greifbare Nähe. Genährt wird diese Sorge durch das Bestreben, vorhandene nukleare Waffensysteme zu modernisieren, um ihre Einsatzfähigkeit zu erhalten oder an veränderte Bedrohungsszenarien anzupassen. Auch „neue“ Gefährdungslagen – Cyberwar, Terrorismus, Handelskriege etc. – stellen die strategische Bedeutung dieser Waffensysteme fundamental infrage. 

Sowohl die katholische als auch die evangelische Kirche begleiteten die Entwicklung nuklearer Waffen äußerst kritisch. Zwar wurde der Wert der Abschreckung in der Vergangenheit durchaus anerkannt, doch als Massenvernichtungswaffe war und ist ihr Einsatz ethisch nicht zu rechtfertigen. In jüngeren Zeiten mehren sich Stimmen in den beiden Kirchen, dass sowohl der Einsatz von Nuklearwaffen als auch die nukleare Abschreckungsstrategie als Mittel der politischen Interessendurchsetzung unverantwortlich sind. So formuliert Papst Franziskus am 24. November 2019 am Friedensdenkmal in Hiroshima: „Aus tiefer Überzeugung möchte ich bekräftigen, dass der Einsatz von Atomenergie zu Kriegszwecken heute mehr denn je ein Verbrechen ist, nicht nur gegen den Menschen und seine Würde, sondern auch gegen jede Zukunftsmöglichkeit in unserem gemeinsamen Haus. Der Einsatz von Atomenergie zu Kriegszwecken ist unmoralisch, wie ebenso der Besitz von Atomwaffen unmoralisch ist […]. Und die Friedensdenkschrift der EKD betont schon 2007, dass die „Drohung mit Nuklearwaffen nicht mehr als Mittel legitimer Selbstverteidigung“ betrachtet werden kann. Das politische Ziel muss daher ein Global Zero bleiben: eine Welt ohne Atomwaffen. 

Als Vorsitzender der Deutschen Kommission Justitia et Pax und als Friedensbeauftragter des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland schließen wir uns dieser begründeten Haltung ausdrücklich an. Im Andenken an die Todesopfer des 6. August 1945 fordern wir heute gemeinsam die politisch Verantwortlichen dazu auf, ernsthafte und zielorientierte Schritte in eine nuklearwaffenfreie Welt zu gehen. Hierzu bedarf es der (Wieder-)Aufnahme vertrauensvoller Dialoge und des politischen Willens zur Veränderung. Ein erstes und eindrückliches Zeichen sollte die Annahme und Ratifizierung des Atomwaffenverbotsvertrags der UNO – auch durch Deutschland – sein. 

31. Juli 2020 

Quelle: Evangelische Kirche in Deutschland: Nachrichten ( http://www.ekd.de/rss/editorials.xml)
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