Pfingsten ist dringend notwendig

Pfingstbotschaft von Landesbischof July

Zum Pfingstfest schreibt Dr. h. c. Frank Otfried July, Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg:

„O komm, du Geist der Wahrheit“ – so beginnt ein altes Pfingstlied, und ich finde, diese Bitte passt sehr gut in unsere Situation. Wir brauchen Geist und wir brauchen Wahrheit. An diesem Pfingstfest treffen wir in unserem Land auf eine Situation der gesellschaftlichen Verunsicherung, der Suche nach Orientierung und Wahrheit.

Die Corona-Krise hat ein breites Spektrum von Meinungen und persönlichem Verhalten wie unter einem Brennglas ans Licht gebracht. Da sehe ich große Solidarität und Gemeinsinn, aber auch Egoismus und Rücksichtslosigkeit. Viele sind in ihrem Reden um wahrheitsgemäße Aufklärung bemüht und wägen verschiedene Gesichtspunkte miteinander ab. Andere glauben und verbreiten Verschwörungsmythen und sogar aufstachelnden Hass.

Aus „babylonischer Sprachverwirrung“ wurde ein Verstehen der Verschiedenen

Es ist ganz menschlich, dass Geduld weniger wird und die Zustimmung zu angeordneten Maßnahmen nachlässt. Für mich bricht an dieser Stelle die Frage nach persönlicher Freiheit und gesellschaftlicher Verantwortung aufs Neue auf. Gefolgt von der Frage, woher wir Kraft und Überzeugung nehmen, um die Situation zum Guten zu wenden. Ich finde: Pfingsten ist dringend notwendig.

Denn das Pfingstfest führte die Nachfolgerinnen und Nachfolger Jesu aus Verwirrung, Angst und Sprachlosigkeit in die Gegenwart des Geistes Gottes, so beschreibt es die Bibel in der Apostelgeschichte, Kapitel 2. Das Pfingstwunder schaffte, dass Menschen sich plötzlich verstehen konnten, die sich vorher wegen ihrer verschiedenen Sprachen nicht verstanden hatten. Dass aus der sprichwörtlichen „babylonischen Sprachverwirrung“ ein Verstehen der Verschiedenen wurde.

Denen widersprechen, denen der Rest der Welt egal ist

Nun können wir in unserer pluralen, von unterschiedlichen Einsichten und Interessen geleiteten Gesellschaft kein Pfingstwunder „produzieren“. Aber wir können um „Geistesgegenwart“ beten und versuchen, geistesgegenwärtig zu sprechen und zu handeln. Damit meine ich, geistesgegenwärtig denen deutlich zu widersprechen, die kein Interesse an Verständigung haben, sondern eine Lust am Aufreißen von Gräben. Und denen deutlich zu widersprechen, denen der Rest der Welt egal ist und die sich nicht um die Menschen in anderen Ländern kümmern wollen. Genauso wie denen, die die Sprache der Menschenwürde und des Friedensstiftens als naive Dialekte abtun wollen. Und nicht zuletzt denen, die ihre eigene Freiheit auf Kosten anderer durchsetzen wollen.

Pfingsten ist ein Aufbauprogramm des Heiligen Geistes

Ich glaube, dass Gott weiß, was wir dringend benötigen. Deshalb schenkt er uns seinen Geist. Den Geist des Verstehens, des Friedens, der Erlösung. Den Geist der neuen Sprache, der Wahrheit über Leben und Tod und des Neuanfangens. Pfingsten ist ein Aufbauprogramm des Heiligen Geistes. Gottes Investition in das Neuverstehen der Menschen. Die Folgen könnten sich sehen lassen.

„Es gibt verschiedene Gaben, aber es ist immer derselbe Geist. Und es sind verschiedene Aufgaben, aber es ist immer derselbe Herr. Es gibt verschiedene Wunderkräfte, aber es ist immer derselbe Gott. Er bewirkt das alles in allen.“ (1.Korinther 12, 4-6 )

Ihr D. h. c. Frank Otfried July, Landesbischof

Quelle: Evangelische Landeskirche Württemberg ( http://www.elk-wue.de/index.php?type=13)
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