„Die Rechte Gottes ist überall“

Andacht zu Christi Himmelfahrt von Pfarrer Andreas Föhl

Pfarrer Andreas Föhl, Bad Dürrheim privat

Christi Himmelfahrt – In manchen alten Kirchen ist dieses Ereignis so dargestellt: Da ist oben an der Kirchendecke ein Stück blauer Himmel gemalt als hätte das Kirchendach ein offenes Loch, und mitten in diesem Himmelsfenster sieht man zwei Füße von unten. Und tatsächlich steht’s ja auch so in der Bibel, im Lukasevangelium: Der auferstandene Jesus hat seine Jünger um sich versammelt, sie gesegnet „und wurde zum Himmel emporgehoben“ (Lukas 24,50+51). Aufgeklärte Zeitgenossen runzeln die Stirn. 

Jesus ist zurückgekehrt zu seinem Vater

Dabei handelt es sich um ein großes Missverständnis. Himmelfahrt bedeutet nicht: Jesus ist in die Luft aufgehoben worden, hat irgendwann die Wolkendecke durchbrochen und ist dann womöglich weiter in den Weltraum entschwebt. Himmelfahrt bedeutet: Jesus, der Sohn Gottes, ist zurückgekehrt zu seinem Vater. Denn Himmel meint nicht den Himmel über uns, aus dem es regnet, wo es Wolken gibt und die Vögel fliegen. Himmel meint: die unsichtbare Welt Gottes. Die Engländer haben für diese unterschiedlichen Dinge praktischerweise auch zwei unterschiedliche Wörter. Der eine Himmel, der Raum über uns, heißt auf Englisch „sky“, der andere Himmel, die unsichtbare Welt Gottes, heißt auf Englisch „heaven“. Jesus ist an Himmelfahrt nicht in den „sky“ aufgefahren, sondern in den „heaven“. 

Die Welt Gottes als unsichtbare Wirklichkeit

Aber wo ist dieser „heaven“? Ich stelle mir das in etwa so vor: Es gibt hinter unserer sichtbaren Wirklichkeit eine unsichtbare Wirklichkeit, eben die Welt Gottes. Sie geht über das hinaus, was wir mit unseren Sinnen wahrnehmen können. Schwierig zu denken. Genau deshalb versuchen die Bibel und die alten Maler, das, was man eigentlich gar nicht beschreiben kann, in Bildern zu beschreiben. Auch unser Glaubensbekenntnis gebraucht ein Bild: „Aufgefahren in den Himmel, dort sitzt er zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters“.

Die rechte Seite Gottes ist überall

Ich glaube, dass es gar nicht so wichtig ist, wie genau das war bei der Himmelfahrt. Was daran wirklich wichtig ist, habe ich von Martin Luther gelernt. Der hat gesagt: Diese rechte Seite Gottes, an die sich Jesus nach seiner Himmelfahrt gesetzt hat, die ist überall. Das finde ich das Wichtigste. Himmelfahrt bedeutet nicht: Jesus hat dieser Welt und seinen Menschen den Rücken gekehrt. Er ist nicht an einem weit entfernten Ort. Nein, die Rechte Gottes ist überall. Himmelfahrt bedeutet: Jesus Christus war nicht nur bei den Menschen vor 2000 Jahren in Israel, sondern seit seiner Himmelfahrt ist er allen Menschen nahe, auch mir. Obwohl ich ihn nicht sehen kann, ist er bei mir – immer und überall. Wie er’s beim Abschied versprochen hat: „Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“ (Matthäus 28,20).

Quelle: Evangelische Landeskirche Württemberg ( http://www.elk-wue.de/index.php?type=13)
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