Aufräumen

Mein Herd – ein klassischer Ort ungeputzter Küchenteile – glänzt, der Fußboden ist in dieser Woche schon zwei Mal gewischt und der Kühlschrank spiegelt eine Ordnung, die ihm völlig fremd ist. Und ich erwische mich bei der stillen Hoffnung, dass wir als Familie abends so groß kochen, dass ich morgen mit guten Gründen wieder zum Saubermachen komme. Das Gleiche gilt natürlich auch für Keller, Boden und Garten.

Die freiwillige Quarantäne lässt mich aufräumen und plötzlich sehe ich auch all die Ecken, die es mal wieder ver-tragen könnten. Ich schaue auf die vernachlässigten Orte, die gleichsam nach einer Reinigung schreien. So viel Zeit habe ich lange nicht mehr in den eigenen vier Wänden verbracht. Man kann ja auch nicht den ganzen Tag chatten oder telefonieren.

Und so langsam weitet sich das Aufräumen weiter aus: Welche Bücher wollte ich eigentlich immer schon lesen? Sie liegen neben dem Bett oder dem Sofa und haben sich wochenlang nicht bewegt. Jetzt wäre doch die Zeit.

Und innerlich? An die nahen Angehörigen denken wir jetzt besonders innig; aber die ferneren Verwandten oder Freunde? Freuen die sich über eine Nachfrage, wie es ihnen geht? Und wie eigentlich halte ich es mit der Stille aus? Kann ich ruhig werden, dankbar zurückschauen – oder fallen mir gerade jetzt all die Dinge ein, die ich doch längst hätte klären wollen? Ob das mit Gott und Beten zu tun hat? Die einen sagen so; die anderen sagen so. Ich danke Gott, dass ich vor ihm ankomme.

Bleiben Sie behütet an Leib und Seele. 

Thies Gundlach
 

Quelle: Evangelische Kirche in Deutschland: Nachrichten ( http://www.ekd.de/rss/editorials.xml)
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