Oma-Tag in Zeiten von Corona

Was soll ich denn jetzt machen? Eigentlich ist mittwochs Enkel-Oma-Tag. Darauf freue ich mich immer schon den ganzen Tag vorher. Und hinterher denke ich noch so gern daran. An den Spaß, den wir zusammen haben. Doch jetzt? Treffen geht nicht mehr. Dabei könnte ich gerade jetzt helfen, Kitas und Schulen sind zu. Ich würde so gerne helfen. Aber eben das soll ich nun nicht mehr.

Ich gehöre zu einer Risikogruppe. Ich bin über 65 Jahre alt. Und ich dachte immer: ich bin völlig harmlos. Ich verstehe schon. Es geht darum, dass ich keinem Risiko ausgesetzt werde. Trotzdem: sie fehlen mir, meine Lieben. Vereinzelung aus Solidarität. Eine wirklich neue Form von Gemeinschaft. Das muss man erstmal mal hinkriegen. Wie schaffen wir das?! Immerhin tröstet mich, dass andere es jetzt auch so machen. Und das ist richtig so. Gut, wenn die Vernunft sich durchsetzt. Auch wenn das Herz es gerne anders hätte.

Meine Enkelin telefoniert jetzt jeden Tag mit mir. Gestern hat sie nur einmal kurz gesagt: Hallo, Oma, ich denk an dich. Küsschen. Und dann wieder aufgelegt. Und mein Sohn hat mir eine richtige Postkarte geschrieben. Mit der Hand. Ich weiß gar nicht, wann ich das letzte Mal eine bekommen habe. So schön. 

Ich habe sie auf meinen Nachttisch gestellt. Abends nehme ich sie in die Hand. Und dann denke ich an meine Lieben. So sind sie mir trotzdem nah. 

Manchmal kommt mir dann die Liedstrophe in den Sinn: 
Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

In diesen Momenten glaube ich das. Und ich vertraue darauf.

Claudia Kusch
 

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Quelle: Evangelische Kirche in Deutschland: Nachrichten ( http://www.ekd.de/rss/editorials.xml)
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