Weltfrauentag: Mehr Frauen in Leitungsämter und Synoden bringen

„Unbewusste Begleiter“, ein Projekt des Studienzentrums der EKD für Genderfragen, soll helfen, mehr Frauen in Leitungsämter und Synoden zu bringen.

Was sind „unbewusste Begleiter“?

Antja Buche: Uns allen geht es so: wenn wir eine fremde Person zum ersten Mal sehen, haben wir oftmals sofort ein Bild oder ein Gefühl davon, wie der Mensch ist und stellen bestimmte Erwartungen an sein Verhalten. Diese Einschätzung beruht vor allem auf sichtbaren Merkmalen der Person wie etwa Geschlecht, Alter, Hautfarbe und körperliche Beeinträchtigungen. Die Ursache für dieses Phänomen ist ein Prozess unseres Gehirns, die in der Umwelt vorhandene Komplexität zu reduzieren. Dies ist grundsätzlich ein wichtiger Vorgang, um handlungsfähig zu bleiben. Um aus der Menge der Sinneseindrücke, die auf uns einströmen, die relevanten Informationen herauszufiltern, greift das Gehirn auf bereits erlernte Prozesse zurück und sucht nach abgespeicherten Mustern. Diese Muster basieren auf bisher gemachten Erfahrungen und unserer kulturellen Prägung. Jedoch kann es dabei zu unbewussten und ungewollten Verzerrungen kommen: Wir alle haben sicher schon erlebt, dass ein Mensch ganz anders ist, als wir beim ersten Eindruck dachten. Diese Zuschreibungen von positiven oder negativen Eigenschaften und die daraus resultierenden Erwartungen nennen wir „unbewusste Begleiter“.

Welche Auswirkungen können diese Begleiter haben?

Buche: Die „unbewussten Begleiter“ bringen uns dazu, von Menschen allein aufgrund ihrer äußerlichen Erscheinung bestimmte Eigenschaften und Verhaltensweisen zu erwarten. Entspricht jemand diesen Erwartungen nicht, bewerten wir das negativ. Beispielsweise belegen zahlreiche Studien, dass Frauen als unangenehm wahrgenommen werden, wenn sie im Bewerbungsprozess dominant auftreten und sich selbstbewusst „vermarkten“. Ihnen wird oft die soziale Kompetenz abgesprochen, die von Frauen in besonderer Weise erwartet wird. Männer, die sich genau so verhalten, gelten dagegen als durchsetzungsstark und führungskompetent – hier sind also unbewusste Geschlechterstereotype im Spiel, die uns eigentlich gleiche Verhaltensweisen unterschiedlich bewerten lassen.

Was ist das Ziel des Projekts „Unbewusste Begleiter“?

Buche: Studien zeigen, dass unbewusste Vorannahmen auch bei der Personalauswahl eine Rolle spielen. In der evangelischen Kirche werden viele Ämter durch Wahlen besetzt – und anders als in Personalabteilungen von Unternehmen beschäftigen sich die Wählenden nicht täglich mit der Auswahl von Personal. Mit unserem Projekt wollen wir hier ansetzen und darauf aufmerksam machen, dass unsere Wahrnehmung sehr leicht durch die „unbewussten Begleiter“ beeinflusst wird. Wir entwickeln einen Animationsfilm, der zukünftig in Personalauswahlverfahren zum Einsatz kommt und auf gut verständliche Weise typische Situationen im Personalauswahlprozess zeigt. Er soll die Beteiligten zur Reflexion anregen: Schätze ich mein Gegenüber eigentlich gerade objektiv ein, oder lasse ich mich von Vorannahmen in eine Richtung steuern? Entscheide ich mich unabhängig von den „unbewussten Begleitern“ für die am besten geeignete Person? So kann am Ende diejenige Person gewählt werden, die mit ihren Gaben den Anforderungen an die Stelle objektiv am besten entspricht.

Studienzentrum der EKD für Genderfragen

Quelle: Evangelische Kirche in Deutschland: Nachrichten ( http://www.ekd.de/rss/editorials.xml)
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