Kinder trauern anders

Kinder trauern anders als Erwachsene, nämlich sehr wechselhaft: Tiefe Traurigkeit schlägt plötzlich in fröhliches Spiel um. Erwachsene sind davon häufig irritiert. „Das ist aber eine sehr gesunde Reaktion“, erläutert der Psychologe Oliver Junker aus Kaufering bei München. „So nehmen sich die Kinder zeitweise aus Situationen heraus, die sie sehr belasten.“ Diese Art der Trauer müsse Kindern möglich sein, sagt er.

Rituale einüben

Bei den „Lacrima“-Treffen werde viel gelacht, bestätigt die Pädagogin und Kindertrauerbegleiterin Melanie Hinze. Sie leitet gemeinsam mit ihrer Kollegin Daphne Peter und einigen Ehrenamtlichen die Frankfurter Gruppe. „Die Kinder kommen in der Regel zwei bis zweieinhalb Jahre lang zu uns“, erklärt sie. „Diese Zeit brauchen die Kinder auch.“ 

Ein Jahr lang dauere die akute Trauer, ein weiteres Jahr bräuchten die Kinder, um neue Rituale einzuüben, wenn die wiederkehrenden Termine anstünden: „Das erste Ostern oder das erste Weihnachten ohne den Verstorbenen.“

Hinze erzählt von einer Familie, in der der Vater gestorben war. Der erste Geburtstag des Papas nahte. „Die Familie hat zusammen den Lieblingskuchen des Vaters gebacken“, sagt Hinze. „Aber weil der Vater den Teig immer am liebsten roh gegessen hat, haben wir ihnen gesagt, sie sollen zwei Teige machen.“ Aus dem einen buken sie einen Kuchen, den anderen vergruben sie in der Erde des Grabs. „Für die Kinder hatte der Vater so teil an seinem Geburtstag.“

Psychologe Junker: „Was Kinder brauchen, ist Sicherheit“

Kinder verstehen erst mit zunehmendem Alter, was der Tod eigentlich ist. Als erstes begreifen sie nach den Worten des Psychologen Junker das Konzept der „Nonfunktionalität“ – der Körper funktioniert nicht mehr, Herz und Atmung stehen still. Dann verstehen sie, dass der Tod Ursachen hat, also keine Strafe ist. Kleine Kinder beziehen den Tod noch oft auf ihr eigenes Handeln. „Ich hab mir gewünscht, dass die Mama tot sein soll, und jetzt ist sie wirklich tot“, denken sie dann zum Beispiel. Schließlich verstehen sie, dass der Tod unumkehrbar ist. Und auch, dass er zum Leben dazugehört.

Quelle: Evangelische Kirche in Deutschland: Nachrichten ( http://www.ekd.de/rss/editorials.xml)
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