Podcast – Gabriele Metzner im Gespräch über Paul Gerhardt

Podcast – Gabriele Metzner im Gespräch über Paul Gerhardt

Seine fast 400 Jahre alten Texte spenden bis heute Trost und Zuversicht. Dabei schrieb Paul Gerhardt sie in einer Zeit, in der Pest und Krieg den Alltag bestimmten.

Gabriele Metzner
Wir stehen hier vor dem Paul-Gerhardt-Haus, jedenfalls zeigt eine Inschrift hier auf dem Kirchplatz, dass Paul Gerhardt hier mindestens ein paar Jahre gelebt hat. Jedenfalls kam er 1628 nach Wittenberg und wollte natürlich hier auf Luthers Spuren wandeln und Theologie studieren. Er hat hier, wahrscheinlich in diesem Haus, bei dem Archidiakon Fleischhauer als Hauslehrer gearbeitet.  

Die Wittenberger Theologin Gabriele Metzner steht auf dem Platz der Stadtkirche. So beschaulich die Kulisse heute ist: Damals, zu Paul Gerhardts Lebzeiten, hingen die dunklen Wolken des Dreißigjährigen Krieges über der Stadt. Viele Menschen flüchteten nach Wittenberg, auch marodierende schwedische Truppen suchten die Stadt heim, einmal verwüsteten sie sogar Paul Gerhardts Wohnhaus. Und zu alledem wütete die Pest in der Stadt und forderte viele Opfer. Paul Gerhardt hielt an der Hoffnung fest. 

Gabriele Metzner
Wie lässt sich das aushalten und beschreiben, wie lässt sich das in Worte fassen, was er hier Schlimmes erlebt hat, beziehungsweise was er auch durch andere erfahren hat. Es war ja nicht nur die Zeit des Krieges, es war ja auch so eine Zeit, die man die kleine Eiszeit genannt hat. Also es gab lange, harte Winter und die Leichen verwesten und der Geruch nach Menschen, die tot sind, nach dem, was verwest, lag über vielen Städten und Ortschaften, weil die Leichen einfach nicht beerdigt werden konnten, weil der Boden so hart war. Nachdem, was ich von Paul Gerhardt erlebt habe und wie ich seine Lieder gehört habe, hat er sich wohl nicht wie Hiob auf den Aschehaufen gesetzt und, ja, seine Schären gekratzt, sondern er hat diese Anfechtung, wie man ja auch mit Luther sagen kann, diese Anfechtung doch als Stärkung seines Gottvertrauens verstanden. Er hat diese Gottesbeziehung sehr stark als innere geistliche Stärke aufgenommen. Das, was er Schweres erlebt hat, auch familiär – von seinen vier Kindern hat ja nur eins ihn überlebt und auch seine Frau ist vor ihm gestorben –, war für ihn Grund, den Himmel, das Paradies umso schöner zu zeichnen.

Auf Erden Krieg – im Himmel und in der Zukunft Frieden: Paul Gerhardts hoffnungsvolle und wunderschönen Texte spenden bis heute Menschen Trost und Zuversicht. Kirchenmusiker erkannten diese Kraft der Texte und komponierten eingängige Melodien dazu. Sie zählen in Gottesdiensten bis heute zu den beliebtesten Kirchenliedern: „Ich steh an deiner Krippen hier“, „Befiehl du deine Wege“, „O Haupt voll Blut und Wunden“. Und dieses ganz besonders: „Geh aus mein Herz und suche Freud“. 

Pfarrerin Gabriele Metzner lebte einige Zeit in Lübben – dem letzten Wohnort Paul Gerhardts, an dem er 1676 starb. Das dortige Denkmal für den Dichter hat sich in ihre Erinnerung eingeprägt. 

Gabriele Metzner
Ich sehe Paul Gerhardt vor mir auf dem Denkmal stehen, wie er mit der rechten Hand nach hinten weist und auf die mit Kornähren überwucherte, ja, eigentlich schon zerstörte Kanone weist und damit anzeigt, Krieg soll nicht mehr sein. Und in der anderen Hand hält er ein Gesangbuch. Und das drückt für mich am stärksten aus, dass Singen gegen die Not hilft, dass die Worte, die er gefunden hat, auch diese Poesie, die er in einzigartiger Weise ja auch uns heute weitergegeben hat, hilft, dieses Schlimme, was da geschehen ist, auch, zu überstehen und dann ja auch wieder mit neuer Hoffnung zu verbinden. 

Quelle: Evangelische Kirche in Deutschland: Nachrichten ( http://www.ekd.de/rss/editorials.xml)
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