Hans Leitlein: Glaube, Zahlen und Kreativität

Nach vier Amtsperioden in der Synode setzt er nun andere Schwerpunkte

Stuttgart/Obersulm. In wenigen Monaten endet die Amtszeit der 15. Landessynode offiziell; mit der Herbsttagung vom 16. bis zum 19. Oktober traf sich das Kirchenparlament zum letzten Mal. Einige Synodale sagen nach jahrzehntelanger Mitgliedschaft Adieu – so wie Hans Leitlein, der vier Legislaturperioden lang Synodaler war. elk-wue.de hat mit ihm gesprochen.

Hans Leitlein in seinem Arbeitszimmer: Hier bereitet er sich auf die Synoden- und Ausschusssitzungen vor. Sein Anspruch an sich selbst: „Ich muss alle Beschlussvorlagen vor der Sitzung gelesen haben.“Siegfried Denzel/EMH

Seit 1995 ist Hans Leitlein Mitglied der Synode der Evangelischen Landeskirche in Württemberg – und damit eines der fünf dienstältesten Mitglieder des Kirchenparlaments. Dass er dies einmal über sich selbst sagen kann, hätte der heute 64-Jährige zumindest am Anfang kaum geglaubt.

„Unmittelbar nach meiner Wahl in die Synode habe ich daran gezweifelt, dass dies mein Platz ist“, erinnert sich Leitlein an seinen schwierigen Start vor 24 Jahren.

Nicht die mit dem Ehrenamt verbundene hohe Arbeitsbelastung von bis zu 30 Stunden in der Woche habe ihm damals zu schaffen gemacht: Innerhalb der Synode „hat es damals große Meinungsverschiedenheiten zum Sühneverständnis gegeben“, beschreibt das Mitglied des pietistischen Gesprächskreises „Lebendige Gemeinde“ den theologischen Grund für seine Beinahe-Aufgabe.

„Miteinander verbessert“

Erst ein Traum und ein danach folgendes seelsorgerliches Gespräch haben bei seinem inneren Ringen den Ausschlag dafür gegeben, das Mandat zu behalten. Und obwohl sich Hans Leitlein inzwischen als amtsmüde bezeichnet, ist er heute froh, damals in der Synode geblieben zu sein.

Einerseits habe er als Mitglied des Finanzausschusses bei kirchlichen Weichenstellungen mitwirken können. Andererseits sei im Laufe der Zeit die Atmosphäre in der Synode angenehmer geworden: „Das geschwisterliche Miteinander unter den Gesprächskreisen hat sich verbessert“, freut er sich.

Hans Leitlein (vorne links) während einer Abstimmung in der Landessynode (Archivfoto).Gottfried Stoppel/EMH

Dass er sich bei der Kirchenwahl am 1. Dezember trotzdem nicht mehr um eine fünfte Amtsperiode bewirbt, hat für Hans Leitlein zu tun mit der „inneren Kraft, die ich nicht mehr habe“ – und außerdem mit seiner persönlichen Lebensplanung. Aber davon später.

Noch nämlich ist bei dem früheren Sparkassen-Betriebswirt von „Auslaufbetrieb“ nichts zu spüren. Sein Arbeitszimmer im Souterrain seines Hauses in Obersulm ist nicht nur gut gefüllt mit kirchlicher Literatur und christlichen Bildern – sondern auch mit Akten: Hans Leitlein ist als Synodaler nicht nur Mitglied des Finanzausschusses, sondern auch Vorsitzender des Ausschusses für landeskirchliche Beteiligungen sowie der Prüfergruppe. Da gibt’s viele Zahlen wahrzunehmen, gedanklich einzuordnen – und zu hinterfragen.

„Dem Oberkirchenrat lästig“

Bis heute setzt sich der 64-Jährige einen zeitfressenden Anspruch: „Ich muss alle Beschlussvorlagen vor der Sitzung gelesen” und sich zumindest eine erste Meinung gebildet haben.

Dass er aus dieser Meinung keinen Hehl macht, war auch bei der am Samstag zu Ende gegangenen Herbstsynode zu spüren: Mit alter Leidenschaft meldete er sich mehrfach zum Thema Finanzen zu Wort, um mit südfränkisch eingefärbter Bassstimme eine zentrale Forderung zu erheben: Die Kirchengemeinden vor Ort sollen mehr Geld bekommen.

Dass er dabei nicht zimperlich ist, sieht der Synodale auch selbstkritisch: In einer persönlichen Erklärung entschuldigte er sich in Richtung Oberkirchenrat – er habe niemanden persönlich angehen wollen, als er tags zuvor der Kirchenleitung sinngemäß vorwarf, Gelder zu Lasten von Kirchengemeinden zurückzuhalten.

Hatte Leitlein für seine Redebeiträge während der Herbstsynode bis dahin eher höflichen Applaus erhalten, gab’s für diese menschliche Größe lauten Beifall in Synode und Kollegium…

Dass er „dem Oberkirchenrat lästig“ sei in seinem dauernden Drängen nach finanzieller Stärkung der Gemeinden – damit könne er aber gut leben, hatte Leitlein bereits zuvor gegenüber elk-wue.de betont. Denn mehr Gelder in die Fläche zu überweisen, sei die Kirche angesichts steigender Steuereinnahmen ihren Gemeinden einfach schuldig.

Mehr Transparenz gefordert

Und noch etwas gelte es zu verändern: „Ich empfehle meinen Nachfolgern, auf mehr Transparenz zu drängen.” Dass beispielsweise Finanz-Prüfergebnisse generell nicht veröffentlicht werden, sei nicht in Ordnung. Die Kirchensteuerzahler haben nach Leitleins Überzeugung schlichtweg einen Anspruch auf Information, wie mit den Geldern umgegangen wird.

Würde er bei der Kirchenwahl nochmal antreten, wäre diese Transparenz eines seiner Hauptziele für die nächste Amtszeit.  „Aber dann wäre ich am Ende ja 70…“

Etliche seiner Wachsmalereien schmücken das Heim der Familie Leitlein.Siegfried Denzel/EMH

Gesangsunterricht

Doch hätte, wäre und würde spielen keine Rolle mehr: Für Hans Leitlein war die diesjährige Herbsttagung definitiv die letzte. – und so sehr ihm die Tätigkeit als Kirchenparlamentarier fehlen wird, so froh ist er gleichzeitig über das Mehr an Zeit.

Obwohl es schon Anfragen gebe, steht für ihn fest: „Bis zum 30. Juni 2020 übernehme ich nichts mehr“ an weiteren Aufgaben. Im Gegenteil. Den Vorsitz im Asylverein will der Obersulmer niederlegen, seine Tätigkeit als Prädikant „mache ich nur noch auf Sparflamme”. Nun setze er einfach andere Schwerpunkte.

So nehme er Gesangsunterricht, wolle sich wieder mehr dem Trompetenspiel widmen – und er hoffe auf mehr Muße für seine Wachsmalerei. Nach Wanderungen drücke er seine Stimmungen gerne mit Wachsstiften aus – oft sind es aber auch religiöse Motive, die er zu Papier bringt. Doch egal, ob ihn gerade Weltliches oder Geistliches bewegt: Um schöpferisch tätig zu werden, sei Kairos nötig – der günstige Augenblick für seine Kreativität.

„Brennender Dornbusch“: So nennt Hans Leitlein diese Wachsmalerei. Viele seiner Werke sind religiösen Motiven gewidmet.Siegfried Denzel/EMH

Solche Momente sind als Vollzeit-Ehrenamtler freilich eher selten. Deshalb, sagt er mit einem durchaus verschmitzten Lächeln, habe er auch Verständnis für alle Künstler, die mal eine schöpferische Pause brauchen. Und von der Öffentlichkeit dann gleich in einer Schaffenskrise gesehen werden.

„Älter werden – weiter wachsen“

Eine solche, ganz persönliche Pause wird Hans Leitlein im Februar einlegen: Er hat sich für ein sogenanntes stilles Wochenende angemeldet. Das Thema, nein, sein Thema: „Älter werden – weiter wachsen“. Denn obwohl sich Hans Leitlein in seinen jetzigen Funktionen als amtsmüde bezeichnet – müde ist der Obersulmer noch nicht. So hat er sich auch mehr Bewegung vorgenommen. Und dann gibt’s da noch die große Familie – mit fünf erwachsenen Kindern.


Siegfried Denzel

Quelle: Evangelische Landeskirche Württemberg ( http://www.elk-wue.de/index.php?type=13)
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