Hilfe bei der Suche nach Stille

Gottesdienstpreis 2019 für „Spirituelle Kirchenführung“

Pfarrer Dieter Kern aus Michelfeld im Dekanat Schwäbisch Hall mag Stille. Und er mag die Klosterkirche Gnadental, die zu seiner Kirchengemeinde gehört. Beides – die Stille und den Ort – verbindet er zu einer „Spirituellen Kirchenführung“. Dafür bekommt er zum Auftakt der diesjährigen Herbstsynode der Evangelischen Landeskirche in Württemberg den Gottesdienstpreis 2019 verliehen. Ute Dilg hat mit ihm gesprochen.

Im Kloster Gnadental waren Zisterzienserinnen heimisch.Wilfried Feder

Was unterscheidet Ihre „Spirituelle Kirchenführung“ von einer normalen Kirchenführung?

Bei normalen Kirchenführungen bekommt man viele historische Informationen und damit bleibt der Raum und der Glaube auf Abstand. Darum geht es mir nicht. Mir geht es um das eigene Tun. Wenn ich also zum Beispiel über die Spiritualität der Zisterzienser spreche und berichte, dass sie sieben Mal am Tag gebetet haben, dann beten wir danach auch. Wir singen, wir erleben die Stille. Es geht also immer um das eigene Tun. Die Leute, die an meiner Kirchenführung teilnehmen, sind das nicht gewohnt, aber sie lassen sich darauf ein. Viele sind hinterher ganz überrascht, wie gut es ihnen getan hat.

Wie kamen Sie auf die Idee, diese Führungen anzubieten?

Das hat viel mit der Klosterkirche Gnadental zu tun. Sie ist sehr gut erhalten und hat eine unglaubliche Ausstrahlung. Meiner Erfahrung nach sprechen alte Gebäude auch Menschen an, die sonst mit der Kirche nicht viel zu tun haben. Diese Kirche ist also für mich wie ein Instrument, auf dem ich spielen kann. Ich habe dann Elemente für eine spirituelle Kirchenführung entworfen und mit einigen Freunden ausprobiert. Ab Juli 2018 habe ich dann breit dafür eingeladen.

Pfarrer Dieter Kernprivat

Wie kamen Sie auf die Idee, diese Führungen anzubieten?

Das hat viel mit der Klosterkirche Gnadental zu tun. Sie ist sehr gut erhalten und hat eine unglaubliche Ausstrahlung. Meiner Erfahrung nach sprechen alte Gebäude auch Menschen an, die sonst mit der Kirche nicht viel zu tun haben. Diese Kirche ist also für mich wie ein Instrument, auf dem ich spielen kann. Ich habe dann Elemente für eine spirituelle Kirchenführung entworfen und mit einigen Freunden ausprobiert. Ab Juli 2018 habe ich dann breit dafür eingeladen.

Die Spiritualität der Zisterzienser-Nonnen

Warum kommen die Menschen zu Ihnen?

Es gibt ein Bedürfnis nach Stille, auch wenn das niemand so aussprechen würde. Die Leute sagen eher, dass sie mal runterkommen müssen, zur Ruhe oder zu sich kommen wollen. Die Menschen brauchen Entschleunigung, können das aber oft allein nicht. Sie sind dankbar, wenn man sie dazu anleitet. Und das mache ich bei der spirituellen Klosterführung. Die Spiritualität der Zisterzienser-Nonnen, die in Gnadental gelebt haben, hilft mir dabei. Denn sie dreht sich um eine persönliche Gottesbeziehung. Die Zisterzienser sagen: Gerade in der Selbsterkenntnis erkenne ich Gott. Wenn ich zuhause bin und Gott klopft an die Tür, dann kann ich ihn reinlassen. Aber viele Menschen sind nicht bei sich, deshalb hat Gott keine Chance. Deshalb müssen wir ihnen helfen, zur Ruhe und zu sich zu kommen.


Die Ausschreibung für den Gottesdienstpreis 2020 läuft bereits. Er steht unter dem Thema „Gottesdienste am Karfreitag“. Einsendeschluss ist der 31. Januar 2020.