Podcast – Katharina Keinki “Frieden stiften für Geflüchtete”

Frieden stiften für Geflüchtete 

Geflüchtete lernen, Frieden zu stiften: Einen ungewöhnlichen Workshop hat sich die „Rummelsberger Diakonie“ erdacht – und mit Erfolg durchgeführt. Die Schüler und Schülerinnen einer Berufsintegrationsklasse jedenfalls haben viel gelernt von der Diakonin Katharina Keinki, die eine Zusatzausbildung als „Trainerin für FriedensstifterInnen“ hat. Was sie bewogen hat, das Thema auch mit Geflüchteten anzugehen?

Katharina Keinki
Wir haben festgestellt, dass geflüchtete Menschen, wenn sie nach Deutschland kommen –eigentlich total egal, welchen Alters, also unsere Schüler waren zwischen 17 und 50 –, dass es nicht nur darum geht, dass man Deutsch lernt, sondern man muss sich ja irgendwie auch in dieser Kultur zurechtfinden können, weil die doch großenteils ziemlich anders ist wie das, was man gewöhnt ist. Wir wollten, dass die Menschen, wenn sie hier ankommen, nicht das Gefühl haben, dauernd anzuecken und dauernd sozusagen anders zu reagieren auf Situationen in ihrem Alltag als wir das jetzt gewöhnt sind und dann dadurch auffallen oder mit Menschen in Konflikte kommen. Und dann haben wir uns überlegt: Wie können wir das machen? Unser Ziel war, dass die Schüler nicht nur das Deutsche lernen, sondern tatsächlich auch sich selber besser integrieren können, weil sie zum Beispiel Deutsche besser verstehen können. Wir haben auch viel über solche Sachen geredet: Warum reagieren denn deutsche Menschen in dem Fall so und so (wenn man das überhaupt pauschalisieren kann – den deutschen Mensch gibts ja gar nicht) – aber die großen Unterschiede, die ihnen halt so aufgefallen sind, und dann haben sie mich gefragt: „Warum machen wir das denn so?“ und ich habe versucht, ihnen das zu erklären.

Zusammen mit Diakonin Keinki entdeckten die Schülerinnen und Schüler: Es gibt viele Unterschiede, wie Deutsche und Menschen aus anderen Kulturkreisen mit Konflikten umgehen. Sich die bewusst zu machen, ist gut und der erste Weg zum Frieden. 

Katharina Keinki
Wenn ich jetzt einen Streit mit einem Mitarbeiter oder mit meinem Chef habe, dann ist es in unseren Kulturkreisen ja üblich, dass ich wenigstens trotzdem „Hallo“ und „Tschüs“ sage und auch irgendwie freundlich mit ihm umgehe, auch, wenn es auf einer anderen Ebene gerade knatscht. Das zum Beispiel ist in manchen Kulturen anders. Einer aus Äthiopien hat mir dann gesagt: „Wenn ich einen richtigen Streit mit diesem Menschen habe, dann rede ich eine ganze Weile nicht mit ihm“. Das kann sich je nach Intensität des Streits anscheinend auch über ein paar Monate ziehen. Und dann ist es irgendwann vergeben und vergessen. Das in unserem Kulturkreis umzusetzen, ist schwierig, wenn man dann sagt: „Ok, das ist jetzt mein Kollege und ich rede jetzt ewig nicht mit dem, aber wir arbeiten in einem Team“ – wie soll das denn gehen? Darüber haben wir viel geredet. Sie haben versucht, zu verstehen, warum wir das so machen und ich habe versucht, zu verstehen, warum sie das so machen. 

Am Ende des Seminars erhielten alle Teilnehmenden ein Zertifikat als Friedensstifter. Das können sie bei Bewerbungen oder anderen Gelegenheiten zeigen. 
Frieden zu stiften hat mit dem Glauben eines Menschen übrigens wenig zu tun, meint Diakonin Katharina Keinki. 

Katharina Keinki
Ich glaube ehrlich gesagt, dass das Thema Frieden und das gute Zusammenleben von Menschen untereinander erst einmal wesentlich mehr mit den Menschen zu tun hat als mit einer Religion. Und bezogen auf die Klasse waren dort tatsächlich auch viele Christen, die aus Äthiopien gekommen sind. Aber ich habe keinen Unterschied zwischen den Religionen festgestellt. Ich habe aber darauf nicht mein Augenmerk gelegt, weil ich finde, dass es darum nicht geht.
 

Hier finden Sie den Podcast FriedensPerspektiven

Quelle: Evangelische Kirche in Deutschland: Nachrichten ( http://www.ekd.de/rss/editorials.xml)
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