Podcast – Erinnerung an Dorothee Sölle

Dorothee Sölle während der Bibelarbeit beim Evangelischen Kirchentag der Mecklenburgischen und Greifswalder Landeskirche 1988 in Rostock.

Nicht nur wir brauchen Gott, also nicht nur wir brauchen den Papa, der alles richtet. Gott braucht uns. 

Ungewöhnliche fromme Ansichten, entstanden in einem freien Geist, der die Poesie und Verstehbarkeit höher schätzte als verklausulierte theologische Aussagen: Dafür schätzten unzählige Menschen – nicht nur Christen! – Dorothee Sölle. Andere fühlten sich von der ungewöhnlichen Theologin genau deswegen genervt. Sölle hinterfragte bis zum Gehtnichtmehr, manchmal auch bissig – doch sie bot immer eine durchdachte Lösung an. Große Diskussionen löste sie aus, als sie dafür plädierte, atheistisch an Gott zu glauben. Die Konservativen und Evangelikalen versuchten, sie ins Lager der Ungläubigen abzuschieben. Doch an Sölles tiefer Frömmigkeit und ihrem scharfen Intellekt kamen sie letztlich nicht vorbei. 
Ins Licht der breiten Öffentlichkeit trat Dorothee Sölle im Jahr 1983 als sie eine Rede bei der Vollversammlung des Ökumenischen Rats der Kirchen hielt. 

Dorothee Sölle
Damals, das war ’83, waren wir alle total in der Friedensbewegung. Und ich sagte: Frieden, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung, das ist ja alles drei sehr schön. Aber der Friede ist das Wichtigste und der muss als Erstes kommen. Und dann haben die Menschen aus der Elendswelt lange mit mir diskutiert und haben mich davon überzeugt, dass das falsch ist. Es gibt keinen Frieden ohne Gerechtigkeit. Die wirtschaftliche Verelendung, das ist für mich ein zentrales Thema.

Dorothee Sölle setzte sich ein für die Menschen in armen Ländern. Besonders die Situation der Frauen lag ihr am Herzen. Wer die Bibel schätzt, könne gar nicht anders, als sich tatkräftig für die Gerechtigkeit einzusetzen – davon war sie überzeugt. Auf Kirchentagen lauschten ihr Tausende Christen. Sölles Gedanken und ihre Leidenschaft gaben ihnen Mut und Kraft, sich weiter einzusetzen für den Frieden, für die Gerechtigkeit und für die Bewahrung der Schöpfung. Sie waren überzeugt: Gott allein wird’s nicht richten. Gott braucht unsere Hände. 

Je älter Dorothee Sölle wurde, desto mehr näherte sie sich der Mystik an. Der Kirche blieb sie kritisch gegenüber – aber, dass sich die Menschen von Gott anrühren lassen würden, das hoffte sie. 

Dorothee Sölle
Ich glaube wirklich, – das ist eine mystische Idee – in allen Menschen ist etwas von Gott versteckt, ist ein winziges bisschen Gott. Das kann man natürlich total zumüllen, das ist sogar sehr leicht. Und dann weiß man gar nichts mehr davon, hat damit nichts zu tun, aber es kann auch wieder aufgeweckt werden. 

Im April 2003 erlag sie den Folgen eines Herzinfarktes. Ein Buchprojekt hatte sie nicht mehr zu Ende führen können: Über die Mystik des Todes dachte sie nach. 

Dorothee Sölle
Es muss eigentlich auch eine Versöhnung mit dem Tod geben. Ich glaube an die Ewigkeit Gottes. Das heißt aber nicht notwendig, an die Unsterblichkeit meiner Seele. Sondern ich bin ein Teil von diesem Gott.  

Hier finden Sie den Podcast Friedensperspektiven

Quelle: Evangelische Kirche in Deutschland: Nachrichten ( http://www.ekd.de/rss/editorials.xml)
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