„Digitale Räume für den Religionsunterricht erschließen“

Sie sprachen von einem Ort, wo man Informationen findet, denen man vertrauen kann. Wie passt das religionspädagogische Institut virtuell – kurz rpi-virtuell – da hinein?

Happel: Rpi-virtuell ist erstmal von seinem Ansatz her der Versuch, diese digitalen Räume für den Religionsunterricht zu erschließen. Wir erkunden viele neue Technologien und erschließen sie für Lehrerinnen und Lehrer. Soweit wir das können, stellen wir diese Dinge technisch zur Verfügung. Dazu gehören auch Unterrichtsszenarien, damit die Lehrerinnen und Lehrer ausprobieren können, wie sich eine Idee im Unterricht umsetzen lässt. Prinzipiell laden wir in einer Art „Werkstattsituation“ ein, wo Unterrichtende Digitalität für sich erschließen und neue Technologien als eine Bereicherung zu dem erleben können, was man bisher im Religionsunterricht machen konnte.

Wie sieht das konkret aus?

Happel: Wir haben viele verschiedene Bereiche, an denen wir momentan arbeiten. Wir möchten zum Beispiel durch speziell geschützte Chaträume die Möglichkeit bieten, dass Leute über den Religionsunterricht hinaus miteinander kommunizieren können. Deswegen haben wir da ganz besondere Technologien ausgewählt, die eben die Nutzer nicht in dieses Datenschutzloch fallen lassen. Und das Besondere daran ist, dass wir über bestimmte Schnittstellen und Technologien in der Lage sind, Inhalte in diese Räume einzufügen. Beispielsweise kann ein Lehrer Inhalte aus seinem Webblog in so eine Kommunikation einspielen: interaktive Aufgaben oder was immer ihm gerade einfällt. So können Szenarien geschaffen werden, die nicht in den 45 Minuten Religionsunterricht stattfinden, sondern darüber hinausgehen. So kann die Welt des Schülers, in der er tatsächlich lebt, in den Religionsunterricht miteinbezogen werden.

Welche Tipps würden Sie Anfängern geben, die sich erst seit kurzem mit Digitalität und digitalen Unterricht auseinandersetzen?

Happel: Als erstes wurde ich meine eigene digitale Nutzung überprüfen, um zu gucken, was mir gut getan hat. Ich würde mich fragen: „Wo benutze ich eigentlich das Internet?“ Benutze ich es, wenn ich zum Beispiel in der Stadt unterwegs bin und ein Gebäude sehe, das ich nicht kenne? Oder wenn ich irgendetwas finden will? Ich kann erstmal selbst überprüfen, wie ich da vorgehe. Und dann könnte ich überprüfen, wie ich meine Meinung bilde. Und wenn ich das alles habe, kann ich mit den Schülerinnen und Schülern zum Beispiel Techniken erarbeiten, wie sie ihre eigene Such- und Erkundungstechnik im Internet verbessern und überprüfbar machen können. Das wären so für mich die ersten Schritte, bevor ich überhaupt daran denke, dass man für den Religionsunterricht natürlich auch ganz einfach Medien produzieren kann. Bevor ich mich also durch die große Anzahl an interaktiven, digitalen Unterrichtsvorschlägen auf rpi-virtuell wühle, wäre der erste Weg tatsächlich, dass ich mein eigenes Verhalten kontrolliere: Was mache ich eigentlich, was ist hilfreich und wie kann ich das mit meinen Schülerinnen und Schülern gemeinsam reflektieren, damit sie mit mir zusammen einen Weg gehen können, Digitalität zu erleben, zu erkunden und zu reflektieren.

Interview: Lena Ohm (evangelisch.de)


Joachim Happel ist Pfarrer, Leiter von rpi-virtuell und twittert unter @johappel.

Quelle: Evangelische Kirche in Deutschland: Nachrichten ( http://www.ekd.de/rss/editorials.xml)
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