Ein Mahnmal in der „Stadt in zwei Ländern“

Gubin steht auf einem grünen, Guben auf einem gelben Ortsschild, die Stadtteile sind durch eine Brücke verbunden, unter der langsam die Neiße Richtung Oder und Norden fließt. Am Rand stehen auf der einen Seite ein rot-weißer, auf der anderen ein schwarz-rot-gelber Pfahl. Jugendliche, Autos, Radfahrer, Menschen auf dem Weg zum Einkaufen überqueren die wenige Meter lange Brücke in beide Richtungen. Dass hier eine Staatsgrenze verläuft, geht im Alltag unter.

Nicht weit entfernt steht auf der polnischen Seite das Ratusz. Das sanierte historische Rathaus der fast 800 Jahre alten Doppelstadt wird inzwischen als Kulturhaus genutzt. Direkt daneben eine große Ruine aus rotem Backstein, ohne Dach, mit teils zugemauerten Fenstern, mit einem Maschendrahtzaun gesichert. „Uwaga!“ steht auf Schildern an den Mauern der einst evangelischen Stadt- und Hauptkirche von Guben, „Achtung“ und „Vorsicht“ heißt es auf Deutsch.

1945 wurde die Kirche zerstört. „Die SS hat damals Dokumente aus Berlin in die Kirche geschafft und sie dann in Brand gesetzt“, erzählt Günter Quiel: „Die Kirche ist abgebrannt durch Brandstiftung der Waffen-SS.“ Seit bald zwei Jahrzehnten setzt sich der langjährige Gubener SPD-Stadtverordnete für die Rettung der Ruine und den Wiederaufbau der Kirche als Kulturort, deutsch-polnische Begegnungsstätte und Mahnmal ein. Zum 60. Jahrestag des Kriegsendes wurden dafür 2005 eine polnische Stiftung und ein deutscher Förderverein gegründet.

Ein Denkmal zur Erinnerung und Mahnung

Einiges ist inzwischen geschafft, mehr als 2.000 Tonnen Bauschutt wurden weggeschafft, 2007 wurde in deutsch-polnischer Zusammenarbeit eine neue Turmhaube auf den Kirchturm gesetzt, vor zwei Jahren eine neue Wetterfahne. Eine Hochzeit wurde in der Ruine schon gefeiert und ein großes Orgelkonzert gegeben. Es wurden Spenden gesammelt, es gab Geld vom polnischen Staat. Doch für das Kirchenschiff fehlen noch rund zehn Millionen Euro.

„Die Finanzierung ist ein unheimlicher Aufwand“, erzählt Quiel, der in der DDR als Ingenieur im Chemiefaserwerk Guben und später als Finanzdezernent und Vize-Kanzler der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder gearbeitet hat. Nach 1945 ging die Ruine an den polnischen Staat, seit ein paar Jahren gehört sie der Stadt Gubin. Öffentliche Fördermittel aus Deutschland zu bekommen, sei praktisch unmöglich, weil die Kirche im Ausland liegt, sagt der 76-Jährige: „Wir bemühen uns jetzt, dass sie in die nationale Denkmalliste in Polen aufgenommen wird.“ Das soll die Förderung einfacher machen.

Quelle: Evangelische Kirche in Deutschland: Nachrichten ( http://www.ekd.de/rss/editorials.xml)
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