Kolonialismus-Aufarbeitung: Kulturbeauftragter Claussen wirbt für differenzierte Debatte

Der EKD-Kulturbeauftragte Claussen verwies darauf, dass in den Missionswerken postkoloniale Themen schon seit vielen Jahrzehnten bearbeitet würden. Neu sei nun der Fokus auf die Debatte zum Umgang mit Kulturgütern. Diese würden meist als innerkirchliche Objekte betrachtet, etwa weil sie durch Partnerkirchen aus anderen Ländern überreicht wurden. Offizielle Rückgabeforderungen von Kulturgütern wie sie etwa an öffentliche Museen und Sammlungen in Deutschland gerichtet werden gebe es an die EKD nicht, unterstrich Claussen.

Kolonialismus und Mission

Zugleich sprach sich der EKD-Kulturbeauftragte für eine differenzierte Debatte aus. So seien christliche Missionare keine „willigen Helfer des staatlichen Kolonialismus“ gewesen, betonte Claussen in einem Gastbeitrag für die aktuelle Ausgabe der Publikation „Politik & Kultur“ (Ausgabe 9/2019) des Kulturrats. Die evangelische Mission verstehe man nicht, wenn man sie nur als kirchliche Parallele zum staatlichen und wirtschaftlichen Kolonialismus betrachte, sondern man müsse sie auch als Vorgängerin der heutigen „Nichtregierungsorganisationen“, der NGOs, auffassen.

In „Politik & Kultur“ befassen sich 18 Autoren mit dem Thema „Kolonialismus und Mission“, darunter auch die Präsidentin des evangelischen Hilfswerks „Brot für die Welt“, Cornelia Füllkrug-Weitzel, sowie der Hamburger Historiker und Kolonialismusforscher Jürgen Zimmerer. In seinem Beitrag wirft der Wissenschaftler der EKD vor, die Auseinandersetzung mit dem Kolonialismus „sehr spät“ zu beginnen. Zudem konzentriere sich die kirchliche Auseinandersetzung bislang „auf individuelles Fehlverhalten statt systemische Ursachen“.

Claussen: Debatte muss weiter geführt werden

„Die EKD hat sich zur Aufgabe gemacht, solche Diskussionen zu befördern“, betonte Claussen. Die Debatte zu Verstrickungen der Kirchen in den Kolonialismus sei ein „offener Prozess, der weiter geführt wird“. So werde auch das Thema Provenienz von Kulturgütern in den Missionsgesellschaften diskutiert.

Der Deutsche Kulturrat hatte im vergangenen Februar eine Stellungnahme zum „Umgang mit Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten“ veröffentlicht. Darin wurde von allen öffentlichen Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen in Deutschland, aber auch von der Zivilgesellschaft, den Kirchen und dem Kunsthandel eine breite Aufarbeitung und Debatte zum Umgang mit Kulturobjekten aus der Kolonialzeit gefordert.


Quelle: Evangelische Kirche in Deutschland: Nachrichten ( http://www.ekd.de/rss/editorials.xml)
Bitte lesen Sie den ganzen Text auf der Originalseite des Feeds – zur Quelle

Schreibe einen Kommentar