Rekowski in Syrien: „Im Blick auf die Rückkehrsituation sehr pessimistisch“

Will sie im Libanon bleiben oder kann sie sich vorstellen, nach Syrien zurückzukehren?

Rekowski: Diese Frau würde sich derzeit in Syrien einer Willkürherrschaft schutzlos ausgeliefert sehen. Dass in großen Teilen Syriens nicht mehr gekämpft wird, heißt für die ins Ausland geflohenen Menschen nicht, dass sie gefahrlos zurückkehren können. Jeder Syrer, der das Land verlassen hat, gilt als Teil der Opposition und muss sich bei einer Rückkehr darauf gefasst machen, dass ihn die Staatsgewalt ins Visier nimmt. Deshalb kehren nur sehr wenige Menschen zurück.

Eine Rückkehr ist also auf längere Sicht unrealistisch auch für syrische Bürgerkriegsflüchtlinge in Deutschland?

Rekowski: Ich bin im Blick auf die Rückkehrsituation derzeit sehr pessimistisch, auch wenn die Kriegshandlungen abgenommen haben und es teilweise ein überraschend hohes Maß an Normalität gibt. In Syrien herrscht ein Regime, das mit der Opposition nicht zimperlich umgeht. Und jeder, der zurückkehrt, wird wie gesagt als Teil der Opposition angesehen. Es gibt überhaupt kein Vertrauen der Menschen in das Assad-Regime, das als unberechenbar gilt. Auch das UN-Flüchtlingskommissariat UNHCR hat keine Möglichkeit, die Menschen zu schützen. Ich warne deshalb davor, aus dem Rückgang der Kämpfe zu schließen, dass die geflüchteten Syrer einfach in ihr Land zurückkehren können.

Sie haben auch ein palästinensisches Flüchtlingslager besucht viele Palästinenser leben ja seit Jahrzehnten im Libanon. Befürchten die Libanesen, dass es mit den Syrern ähnlich sein könnte?

Rekowski: Diese Sorge der Libanesen ist in der Tat sehr ausgeprägt. Das Schicksal der im Libanon lebenden Palästinenser zeigt, dass ein über viele Jahre ungelöstes Flüchtlingsproblem, das sich verstetigt, für eine Gesellschaft zu einer unerträglichen Belastung werden kann. Wir sind durch die engen Gassen eines palästinensischen Lagers gegangen, haben die schlechten hygienischen Verhältnisse, die chaotische Gesundheitsversorgung, arbeitende Kinder und die dichte Bebauung erlebt. Die meisten Menschen rechnen nicht mehr mit einer Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse, sie sehen praktisch keine Hoffnungsperspektive. Das Land verlassen in Richtung Europa, hat man uns auf Nachfrage gesagt. Diese Situation der Lager ist Sprengstoff für die libanesische Gesellschaft.

Was muss getan werden, um diese Situation zu ändern?

Rekowski: Alles, was Menschen Perspektive gibt, lohnt und ist eine gut angelegte Investition. Hier ist zunächst die Politik gefragt. Im Syrien-Konflikt muss Bewegung entstehen, die den Menschen Zutrauen gibt, dass sie sicher in ihre Heimat zurückkehren können und ihr Land sich weiterentwickelt.

Quelle: Evangelische Kirche in Deutschland: Nachrichten ( http://www.ekd.de/rss/editorials.xml)
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