„Wir müssen Stellung beziehen“

Die englischsprachige Gemeinde war Mitglied des Zululand Council of Churches (ZCC), einer Regionalgruppe des Südafrikanischen Kirchenrates. So konnte ich mich im Zululand auch in der Ökumene engagieren. Ich war auch mehrere Jahre stellvertretender ZCC-Vorsitzender.

Mein langjähriger Aufenthalt in Südafrika, noch zur Zeit der Apartheid, hat mich sensibel gemacht für Themen wie Rassismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. In Südafrika wurden mir die Augen dafür geöffnet, dass wir Christen uns zu politischen und gesellschaftlichen Fragen äußern müssen. In Südafrika habe ich Theologen erlebt, die das auch überzeugend praktiziert haben, wie zum Beispiel Wolfram Kistner oder Christiaan Beyers Naudé. Beide kannte ich auch persönlich.

Erinnern Sie sich an ein Erlebnis, das verdeutlicht, welche Auswirkungen die Apartheitspolitik auf die Menschen in Südafrika hatte?

Manneke: In Eshowe hatte ich bei einer jungen Engländerin Gesangsunterricht. Sie lebte mit einem Farbigen zusammen. Die beiden hatten zwei Kinder. Heiraten durften sie aber nicht. Es war Weißen nicht erlaubt, Menschen mit einer anderen Hautfarbe zu heiraten.
Eigentlich durfte ihr farbiger Lebenspartner auch nicht im weißen Wohngebiet leben. Nur Dienstboten war es erlaubt. So hat sie ihn schließlich bei den Behörden als Gartenboy angemeldet, nur damit er bei ihr und den Kindern wohnen konnte.

Die ganze Apartheitspolitik Südafrikas war eine tiefe Missachtung der Menschenwürde und eine schwerwiegende Verletzung allgemeiner Grundrechte. An dem Konzept haben damals auch weiße, südafrikanische Theologen mitgearbeitet. Sie haben sogar biblische Geschichten herangezogen, um die Rechtmäßigkeit der Rassentrennung zu begründen. Kritiker bezeichneten ihr Konzept der Apartheid mit Recht als Häresie. Es war eine Irrlehre.

Wie sind Sie damit umgegangen, dass Sie die Security Police überwacht hat?

Manneke: Ich musste aufpassen. Ich konnte jederzeit aus dem Land verwiesen werden. Das wäre für mich schlimm gewesen. Immerhin war ich mit einer Südafrikanerin verheiratet. Ziviler Ungehorsam kam für mich also nicht in Frage. Ich musste anders handeln. Ich fand auch schnell für mich den passenden Weg. Zu meiner Gemeinde in Eshowe gehörten ja bereits Menschen unterschiedlicher Hautfarben: Weiße, Inder und Farbige. Es gab in der Gemeinde aber keine Schwarzafrikaner. Die Zulus hatten ihre eigenen Gemeinden. In Absprache mit den schwarzafrikanischen Nachbarpfarrern haben wir dann damit begonnen, alle drei Monate gemeinsam Gottesdienst zu feiern. Die Gottesdienste fanden reihum in den lutherischen Kirchen statt, mal bei den Zulus und dann wieder bei uns. Meine englischsprachige Gemeinde hat das voll mitgetragen. In meiner deutschsprachigen Gemeinde gab es aber Widerstand.

Quelle: Evangelische Kirche in Deutschland: Nachrichten ( http://www.ekd.de/rss/editorials.xml)
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