Reformation 2019: „1517 war doch erst der Anfang“

Sie wollen also Reformation auf heutige Fragen übertragen?

Eckert: Genau. In Wittenberg wollen wir anlässlich des 500. Jubiläums der Leipziger Disputation fragen, was „Streitbar leben“ heute heißt. Da kommt unter anderem der sächsische Landesrabbiner und berichtet über jüdische Streitkultur. Vielleicht streitet er sich mit dem Stadtpfarrer von Wittenberg über die sogenannte Judensau an seiner Kirche? Wir nehmen den Impuls der Disputation auf und übertragen diesen auf heutige Fragestellungen wie Missbrauch in der Kirche, Klimakrise, die Folgen des Kapitalismus. Wie könnte eine streitbare Demokratie aussehen, oder ein säkularer Islam?

Ist das „Forum Reformation“ ein rein evangelisches Vorhaben?

Eckert: Nein! Es hat einen protestantischen Stallgeruch und eine ebensolche Entstehungsgeschichte. Aber wir wollen die reformatorischen Impulse interkonfessionell, interreligiös und interkulturell weiterführen. Zu den Gemeinde-Base-Camps sind alle christlichen, jüdischen und muslimischen Gemeinden eingeladen, die reformatorisch unterwegs und geübt im Dialog oder Trialog sind. Zum Weltreformationsforum 2030 sind reformatorische Geister aus allen Konfessionen, Religionen und Kulturen eingeladen. Reformation heißt für mich, sich nicht länger in konfessioneller Haarspalterei zu verlieren, sondern unseren Glauben mit anderen Religionen und guten Geistern in dieser Welt zu gestalten. Wir müssen mehr Ökumene, mehr Interreligiöses, mehr Interkulturelles wagen. Die Rede von Reformation, samt Rückbezug auf Luther, wird leider aber auch missverstanden.

Inwiefern?

Eckert: Reformation ist mehr als Luther. Es geht uns nicht um ein Luther-Retro, um eine Luther-Verklärung oder darum, seine Schattenseiten nicht wahrzunehmen. Die Bezugnahme auf Luther wurde oft genug für falsche Zwecke instrumentalisiert. Es gibt eine düstere Wirkungsgeschichte von Luther, die sehr reaktionär und national ist. Die NPD behauptet zum Beispiel, heute würde Luther diese Rechtspopulisten wählen.

Interview: Jana-Sophie Brüntjen (für evangelisch.de)


Siegfried Eckert studierte evangelische Theologie in Neuendettelsau, Bonn und Tübingen und war anschließend zehn Jahre lang Pfarrer in Essen. 2005 wechselte er in eine Bonner Gemeinde. Eckert ist zudem Landessynodaler der Evangelischen Kirche im Rheinland, Synodalbeauftragter für den Deutschen Evangelischen Kirchentag und Autor.

Quelle: Evangelische Kirche in Deutschland: Nachrichten ( http://www.ekd.de/rss/editorials.xml)
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