Friedensbrot vom Todesstreifen

Carlo Wolf-Gerssdorf ist passionierter Imker und hat eigene Bienenstöcke im Garten hinter der Kapelle. Durch sein Mitwirken ist Mellifera in diesem Jahr zum ersten Mal an der Roggenernte beteiligt.

Der aus Mainz stammende Wolf-Gerssdorf ist Gemeindemitglied seit er vor 20 Jahren nach Berlin gezogen ist. Schnell war ihm klar, dass diese Gemeinschaft in der Mitte Berlins seine neue Gemeinde werden sollte, weil sie wie keine andere für Frieden und Versöhnung steht. Seit fünf Jahren ist der 60-Jährige Wolf-Gerssdorf  zudem ein so genannter „Hüter der Kappelle“ Das Kapellenhüter-Projekt gibt es seit 2014 und ist ein Ehrenamt.

Täglich zur Mittagszeit finden biografische Andachten im Gedenken an die 142 Mauertoten statt. Jeden Tag wird einem dieser Menschen im Besonderen gedacht, indem die Zuhörerinnen und Zuhörer etwas über die Person und ihr Leben erfahren. Die Kapellenhüter sind dort, um Touristen aus aller Welt Fragen zum Ort zu beantworten und ermöglichen es erst, dass die Kapelle fast immer geöffnet sein kann. Mittlerweile gibt es bis zu 45 Menschen, die diese Aufgabe erfüllen.

„Etwas ganz Besonderes, hier sitzen zu können. Friedlich“

Lange bevor die Grenze fiel, besuchte Wolf-Gerssdorf mit seinem kleinen Sohn die Stadt. Mit dem Baby auf dem Arm stand er auf einem dieser Podeste, die man damals überall im Westteil fand, von denen aus man in den Osten blicken konnte und war sich des Glücks der eigenen Freiheit bewusst: „Der hat gespürt, dass sein Papa gerade etwas außerordentlich Intensives erlebt.“ Ein Gefühl, das spätere Generationen, die die Teilung Deutschlands nur noch aus Geschichtsbüchern kennen, kaum nachvollziehen könnten.

Dass er nun im Garten hinter der Kirche, wo die von Nachbarn und Gemeindemitgliedern gepflanzten Stockrosen, Sonnenblumen und Wildkräuter blühen, eigene Bienenstöcke hat, ist für Wolf-Gerssdorf Ausdruck der guten Arbeit des verstorbenen Pfarrers Manfred Fischer, der auf dem ehemaligen Todesstreifen die Idee von Versöhnung in die Gemeinde und die Nachbarschaft trug und offen für die Mitwirkung von Vielen war: „Heute bin ich Gemeindemitglied, habe meine Bienen hier und erlebe diesen Ort noch immer als etwas ganz Besonderes, hier sein zu können, hier sitzen zu können. Friedlich.“

Quelle: Evangelische Kirche in Deutschland: Nachrichten ( http://www.ekd.de/rss/editorials.xml)
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