Maria als Brückenbauerin in der Ökumene

Luther hatte kein Problem mit Maria

Und genau das störte Martin Luther immens. Ungezählt sind in der Ausstellung die Belege, wie der Reformator diese verzerrte Volksfrömmigkeit und überspannte Mariologie angriff. Denn – solus Christus! – nur der Heiland gibt Heil und Erlösung, wie es der Theologe immer wieder seinen Gläubigen einhämmerte. Die ausufernde Marienfrömmigkeit seiner Zeit verdunkelte nur diesen Grundpfeiler des erneuerten Glaubens protestantischer Prägung. Luther, als langjähriger Augus-tiner-Mönch selbst stark marienfromm erzogen und geprägt, brachte das einmal mit Blick auch auf den durchaus üblichen Aberglauben einer besonderen Wunderkraft der Muttermilch Mariens so auf den Punkt: „Ach, was haben wir der Maria Küsse gegeben, aber ich mag Marias Brüste und auch ihre Milch nicht, denn sie hat mich nicht erlöst und auch nicht selig gemacht.“ Gleichzeitig aber, und das vermag die Ausstellung mithilfe seiner Exponate schlüssig zu belegen, war Martin Luther keineswegs ein Marien-Hasser. Der Reformator besaß offenbar ein Marienbild, vielleicht von Lucas Cranach dem Älteren, an deren entblößtem Busen der gerade gestillte Jesus-Säugling schläft. Es ist eine Szene, die Luther in seinen Tischreden mit Blick auf ein solches Bild in seinem Haus erwähnt. Luther hatte also kein wirkliches Problem mit Maria, ob stillend oder nicht, im Gegenteil. Es findet sich in der Schau auch ein Rosenkranz, der der Überlieferung nach aus dem Besitz von Katharina von Bora stammt.

Luther hat in einer Auslegung des Magnificats Mariens Stellung 1521 so beschrieben: Sie sei ganz „niedrige Magd“, eben nicht Himmelskönigin – vielmehr wie ein leeres, reines und einfaches Gefäß für das Heil. Maria als eine Art schlichtes Instrument, das das Heilswirken Gottes um so eindrucksvoller mache, weil es eben so unbedeutend sei. Insofern sei sie auch ein exemplum fidei, ein Vorbild im Glauben: dass der Herr auch das Niedrigste groß machen könne.

Maria und „die anderen Heiligen“

Aber der Mensch und auch Maria seien, so Luther, eben nicht groß durch sich selbst, sondern nur im Glauben und im Gehorsam vor Gott. Fein schreibt er über Maria: „Für eine Fürsprecherin wollen wir sie nicht halten, für eine Fürbitterin wollen wir sie halten wie die anderen Heiligen.“ Denn: „Sie will nicht, dass du zu ihr kommst, sondern durch sie zu Gott.“ Dass man sie in den Himmel gehoben habe, könne ihr selbst nicht recht sein, vermutet der Kirchenreformer.

So war es konsequent, dass Luther nicht alle Marienfeiertage abschaffen, sondern ihre Zahl nur reduzieren wollte. Er schrieb für Maria ein Lied „Sie ist mir lieb, die werte Magd“ – wobei in poetischer Weise Kirche und Maria in eins zu verschmelzen scheinen. Immer wieder kam Luther in seinen Predigten auf Maria zurück. Aber er interpretierte sie eben als einfache Mutter. Und das zeigte sich dann auch in der reformatorischen oder nachreformatorischen Bilderproduktion: Maria ist darin nur noch die zärtliche, fürsorgende Mutter, nicht mehr wirklich heraus gehobene im Heilsplan und deshalb auch nicht mehr in der protestantischen Bildsprache. Eine von vielen Heiligen oder Gläubigen unterm Kreuz.

Quelle: Evangelische Kirche in Deutschland: Nachrichten ( http://www.ekd.de/rss/editorials.xml)
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