„Sonntag scheint ein günstiger Tag für Gottesdienste zu sein“

Was suchen Menschen in der Kirche?

Koll: „Gottes Gegenwart und Kraft in Wort, Gebet, Lied erleben wollen“, „Gebet, Stille, das Abschalten vom Alltag“, „innehalten, die Welt von oben betrachten“ oder das Erleben von Gemeinschaft sind nur einige Beispiele. Menschen wollen von der Atmosphäre des Gottesdienstes angesprochen werden. Man muss sich klarmachen, dass Menschen nicht etwa den Gottesdienst nicht besuchen, weil sie keine Zeit haben, sondern weil er ihnen dann einfach nicht so wichtig ist. Das tut ein bisschen weh. Ins Positive gewendet heißt das aber: Die Menschen suchen im Gottesdienst Religion. Kirche und Gottesdienste werden offensichtlich stärker mit Problemen im Leben, mit Bedürfnis nach Trost, Halt und Orientierung identifiziert als mit Ausdruck von Freude, Dankbarkeit und gelingendem Leben. Auf die Frage „Was sind Gründe für den selteneren Besuch?“ in der Studie war eine Antwort: „Alles läuft perfekt im Leben“. Wenn also alles perfekt läuft, muss man nicht in den Gottesdienst gehen. Das kann uns natürlich nicht schmecken. Trotzdem zieht sich diese depressive Grundstimmung, Jenseitssehnsucht, Weltvertröstung bis in die Auswahl einzelner Lieder im Gesangbuch. Über das Feiern, das Freudige, das Helle, lässt sich möglicherweise auch gar nicht so viel sagen kann. Dabei kann man das Fröhliche ausdrücken. Das ist aber offensichtlich in unserer gegenwärtigen Gottesdienstpraxis weniger gängig.

Und wie gelangen Menschen an die Information, wo was in einer Gemeinde gefeiert wird?

Koll: Die Schaukästen braucht man nicht. Der Gemeindebrief bleibt ein zentraler Anker für die Vermittlung von Gottesdienstterminen. Ihn abzuschaffen ist keine Option, aber die Verzahnung mit dem Online-Angebot wird wichtiger. Kirche muss im Internet präsent sein, weil die Menschen online sind. Und zwar immer aktuell und auf verschiedenen Kanälen. Das ist viel wichtiger als dass die Gottesdienstzeiten in der lokalen Zeitung angekündigt werden. Mit dem „Gemeindebrief“ und einem zusätzlichen Angebot im Internet kann man zugleich lokal und aktuell sein.

Markus Bechtold (evangelisch.de)


PD Dr. Julia Koll ist Pastorin in Altenmedingen, Bienenbüttel und Wichmannsburg im Kirchenkreis Uelzen und Privatdozentin für Praktische Theologie an der Georg-August-Universität Göttingen. Sie leitet den Ausschuss „Faktoren des Kirchgangs“ der Liturgischen Konferenz, der „Kirchgangsstudie 2019“ durchgeführt hat.

Die „Kirchgangsstudie 2019“ wurde von der Liturgischen Konferenz in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Auftrag gegeben. Mehr als 12.000 Menschen haben sich zwischen März und Juli 2018 beteiligt. 90 Prozent der Befragten gaben an, evangelisch zu sein. Insgesamt gaben über 83 Prozent an, sich der Kirche sehr oder ziemlich verbunden zu fühlen. Die Ergebnisse sind eine Momentaufnahme für das Jahr 2018.

Die Ergebnisse der Studie sollen auf einer Auswertungstagung vom 13. bis 14. September 2019 in der Evangelischen Akademie Loccum in Zusammenarbeit mit der Liturgischen Konferenz und dem Pastoralkolleg Niedersachsen ausführlicher vorgestellt und diskutiert werden.

Quelle: Evangelische Kirche in Deutschland: Nachrichten ( http://www.ekd.de/rss/editorials.xml)
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