20. Juli 1944: Widerstand unter dem Kreuz

„Vorgehen gegen den Christen schlechthin“

In dem Brief rekapituliert Moltke in Todeserwartung Prozess und Urteil: „Die wahre Offensive Freislers (ging) gegen die katholische Kirche und gegen die evangelische Kirche, gegen mich, (…), der ich ein protestantischer Laie war, gegen mich konnte der Nationalsozialist Freisler eben nur vorgehen als gegen den Christen schlechthin. Das hat ihn zu jenen extremen, klaren Äußerungen über die letzte Unvereinbarkeit von Christentum und Nationalsozialismus gezwungen, die, selbst, wenn wir fallen, als fruchtbarer Same ins Land gehen werden.“

Am 23. Januar 1945 wird Moltke hingerichtet, Delp am 11. Februar. Aus den Worten Moltkes spricht die Annahme, Freisler habe an ihm als bekennenden Protestanten ein Exempel statuieren wollen. Er glaubte, gegen ihn und den Katholiken Delp sei stellvertretend ein Prozess gegen die kirchlichen Institutionen geführt worden.

Der Rechtsanwalt Moltke, Nachfahre eines mecklenburgischen Adelsgeschlechts, und der Jesuitenpater Delp gehörten zur zivilen Widerstandsgruppe des „Kreisauer Kreises“, benannt nach dem Gut Kreisau in Schlesien, das der Familie Moltke gehörte und wo ab 1940 konspirative Treffen einer Gruppe von Regimegegnern stattfanden. Moltke war einer der Vordenker des Kreises und arbeitete daran, das klandestine Netzwerk aus zivilen, kirchlichen und später auch militärischen Widerstandskämpfern auszuweiten. Er erfuhr schon früh von militärischen Umsturzplänen. Delp brachte Ideen des christlichen Sozialismus und der katholischen Soziallehre in die Kreisauer Pläne für eine Nachkriegsordnung mit ein. Auch er arbeitete daran, das Netzwerk des Widerstands zu erweitern und war Mitwisser der Attentatspläne.

Tuchel: „Widerstand von Christen“ und nicht „kirchlicher Widerstand“

Der Kreisauer Kreis war, obwohl viele seiner Mitglieder gläubige Christen waren, dennoch keine kirchliche Widerstandsgruppe. Viele der Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944 waren Christen und begründeten ihren politischen Widerstand auch mit christlichen Werten. Doch einen organisierten kirchlichen Widerstand im Dritten Reich hat es nie gegeben. Das bestätigt Johannes Tuchel, Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin. „Es gab Widerstand einzelner Christen gegen die Hitler-Diktatur“, sagt Tuchel. „Und diese einzelnen wurden zumeist von ihren Amtskirchen im Stich gelassen.“

Quelle: Evangelische Kirche in Deutschland: Nachrichten ( http://www.ekd.de/rss/editorials.xml)
Bitte lesen Sie den ganzen Text auf der Originalseite des Feeds – zur Quelle

Schreibe einen Kommentar