Flusstaufe in der Nidda

Vorbereitet auf die Taufe wurden die Geflüchteten durch einen Glaubenskurs bei Ingo Schütz, ebenfalls Pfarrer in der Christuskirchengemeinde. Ähnlich wie im Konfirmandenunterricht wurden dort grundsätzliche Fragen des christlichen Glaubens behandelt. „Auch das Kennenlernen, was Kirche bei uns bedeutet, war wichtig, da hier große Unterschiede zum Iran bestehen“, so Klaus Neumeier. Ein weiterer Geflüchteter hatte sich der Freien Evangelischen Gemeinde Bad Vilbels angeschlossen und stand so seit langem im Kontakt mit deren Pastor Clemens Breest. Dieser hatte die Idee, sich an der großen Tauffeier der Vilbeler Kernstadtgemeinde zu beteiligen. Angesichts der seit mehreren Jahren gewachsenen engen Verbindung wurde diese Initiative dort mit Freude aufgenommen.

Glauben wird im Ritual erfahrbar

Nach dem ersten Teil des Gottesdienstes in der Kirche ging es hinaus ins Freie: Mit einem kurzen Fußmarsch erreichte die Gemeinde den Fluss Nidda, der unterhalb des Gotteshauses durch die Stadt fließt.

„Groß ist unser Gott“ erklang es zu Gitarrenbegleitung von der Brücke und von beiden Ufern. Dann stiegen die Täuflinge und ihre Taufhelfer ins hüfthohe Wasser des Flusses. Vom Ufer wurden die Taufsprüche verlesen und Pfarrer Klaus Neumeier sprach die Taufworte.

Hinter jedem Täufling stand ein Taufhelfer bereit, um Halt zu geben, wenn der Täufling sich nach hinten fallen lässt und ganz untergetaucht wird. „So wird Glauben erfahrbar: Ich lasse mich durch den Glauben halten und in Gott hineinfallen“, erläutert Klaus Neumeier die Bedeutung des Rituals. „Beim Auftauchen setzte von den Ufern Beifall ein und im Wasser gratulierten alle einander mit Umarmungen – es wurde viel von der Atmosphäre im Umgang miteinander in der Gemeinde spürbar.“

Mehr als ein Event: Es geht um ein spirituelles Erlebnis

Was ist der Grund für die wachsende Beliebtheit der Ganzkörpertaufe? „Manche bezeichnen das als ‚Taufevent‘ – ich bin mit diesem Wort etwas zurückhaltender“, sagt Klaus Neumeier. In erster Linie gehe es um die spirituelle Erfahrung. Es sei ein Erlebnis, das man deutlich spüren könne. „Im Übrigen ist dies die Taufform, die von der Urkirche ausschließlich praktiziert wurde. Es wurde damals nur im Fluss getauft. Sie macht den theologischen Hintergrund erfahrbar, von dem Paulus im Römerbrief im 6. Kapitel mit ‚begraben werden und neu auferstehen‘ spricht. Dies wurde seit alters her mit dem Untertauchen und wieder Auftauchen der Taufe verbunden.“ In der Gemeinde, so Neumeier, werde diese besondere Taufform sehr wertgeschätzt, die Gottesdienste seien immer sehr gut besucht. Aus der Gruppe der Geflüchteten, die am Glaubenskurs teilgenommen hatten, entschieden sich aber auch zwei für eine Taufe am Taufbecken in der Kirche.

Claudia Boss-Teichmann (für ekd.de)

Quelle: Evangelische Kirche in Deutschland: Nachrichten ( http://www.ekd.de/rss/editorials.xml)
Bitte lesen Sie den ganzen Text auf der Originalseite des Feeds – zur Quelle

Schreibe einen Kommentar