Themen und Thesen des Kirchentages

Rechtsextremismus

Ob in Bibelarbeiten oder Diskussionsrunden: Der Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke hat die Menschen auf dem Kirchentag besonders bewegt. Kanzlerin Merkel drang auf eine umfassende Aufklärung möglicher Verbindungen zur rechtsterroristischen Gruppe NSU. „Wir haben den Betroffenen damals Versprechungen gegeben“, sagte sie mit Blick auf die Todesopfer des NSU. Wenn man jetzt nicht genau nach Verbindungen schaue, „haben wir einen vollkommenen Verlust der Glaubwürdigkeit“. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, erklärte: „Wenn massiv und systematisch Misstrauen gegen Menschen in politischer Verantwortung gesät wird, Menschen auf dieser Basis attackiert und beschuldigt werden, dann kann das Gift sogar tödlich wirken.“

Seenotrettung

Alle im Mittelmeer geretteten Flüchtlinge müssten aufgenommen und auf die Länder der Europäischen Union verteilt werden, forderte der EKD-Ratsvorsitzende Bedford-Strohm. Er mahnte, dass Europa seine Seele verliere, wenn bei jedem Schiff neu darüber verhandelt werden müsse, wo und ob überhaupt die Menschen an Land gehen dürften. Der Bürgermeister von Palermo, Leoluca Orlando, bezeichnete das Ertrinken von Flüchtlingen als „eine Schande für Europa“. Er forderte alle Bürgermeister des Kontinents auf, sich als „sichere Häfen“ für gerettete Flüchtlinge zu melden und Flüchtlinge aufzunehmen. Kirchentagsteilnehmer verabschiedeten eine Resolution, in der sie die EKD und die Landeskirchen aufforderten, selbst ein Rettungsschiff in die „tödlichsten Gewässer der Welt“ zu schicken.

Digitalisierung

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier forderte auf dem Kirchentag neue „Spielregeln“, also internationale Vereinbarungen, für die digitale Welt. Was einmal gestaltet worden sei, könne neu gestaltet werden, einmal Programmiertes umprogrammiert werden, sagte er. Aktuell werde die Digitalisierung allerdings durch Großkonzerne fremdbestimmt. „Die digitale Welt von heute dient jedenfalls jetzt noch den Interessen derer, die unsere Geräte voreinstellen, unsere Anwendungen programmieren und unser Verhalten lenken wollen.“ EKD-Ratsmitglied Volker Jung rief die Kirchen dazu auf, die Chancen der Digitalisierung für eine gerechtere Gesellschaft zu nutzen. Die analoge Begegnung von Mensch zu Mensch sei zwar unersetzbar. Sie könne aber digital ergänzt werden, etwa durch die Einbindung von Menschen, denen ansonsten kaum gesellschaftliche Teilhabe möglich wäre.

Missbrauch

Prominente Theologen bezeichneten die Missbrauchsfälle als Zäsur für ihre Kirchen. Der frühere EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider forderte eine neue „Kultur des Vertrauens im Zusammenhang mit Sexualität“. Die Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs sagte, dass die Kirche noch immer „raus aus dem Tabu“ müsse beim dem Thema. Sie fordert nicht nur, Vergangenes vollständig aufzuarbeiten, sondern auch aktuelle Schutzkonzepte und Schutzräume aufzubauen. Die ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann sagte: „Unsere Kirchen sind verpflichtet, nicht die Täter zu schützen, sondern die Opfer.“

Angst

Der frühere Bundespräsident Joachim Gauck appellierte an die Menschen in Deutschland, sich nicht von Ängsten leiten zu lassen. „Wir müssen unserer Angst den Abschied geben. Niemals soll sie herrschen über uns“, sagte Gauck. Auch der Journalist Heribert Prantl plädierte auf dem Kirchentag für mehr Zuversicht – und hielt einen flammenden Appell für mehr Menschlichkeit in der Flüchtlingspolitik, für Widerstand gegen Populismus und Mut für Lösungen in der Klimapolitik. „Die Kraft der Hoffnung ist die Kraft gegen die Angst“, sagte Prantl.

Quelle: Evangelische Kirche in Deutschland: Nachrichten ( http://www.ekd.de/rss/editorials.xml)
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