Engagement für Frieden und Gerechtigkeit: Friedrich Schorlemmer wird 75 Jahre

Christliches Elternhaus war prägend

Geboren wurde Friedrich Schorlemmer am 16. Mai 1944 im brandenburgischen Wittenberge und wuchs als eines von sechs Geschwistern in Werben in der Altmark auf, einer kleinen, idyllischen Ortschaft an der Elbe. Seit mehr als 40 Jahren lebt er inzwischen in der Lutherstadt Wittenberg in Sachsen-Anhalt. Wenn er sich dort an den Schreibtisch in seiner großen Altbauwohnung setzt und den Computer anschaltet, erscheint als Hintergrundbild die Silhouette des heimatlichen Werben, die St. Johanniskirche ragt heraus. Schorlemmer zeigt auf einen Baum daneben, den er mit seinem Vater pflanzte. Weil er aus einem christlichen Elternhaus stammte, sein Vater war Pfarrer, blieb ihm das Abitur an der Erweiterten Oberschule verwehrt, doch legte er es an der Volkshochschule ab.

Die Bücherregale in seiner Wohnung sind bis unter die Decke gefüllt: Hilde Domin, Christa Wolf, Wolfgang Borchert, Volker Braun, Heinrich Böll. Bücher stapeln sich wie auch Schallplatten, Aktenordner und die vielen Erinnerungsstücke auf den Schränken. Seine Liebe zur Literatur führt Schorlemmer vor allem auf seinen Vater zurück, der ihm nicht nur Geschichten erzählte, sondern ihm auch Bücher gab, die ihn zu einem aktiven Pazifisten werden ließen, wie er sagt. Das einzige Machtwort seiner Mutter, an das er sich erinnert, hing mit der Überlegung zusammen, in den Westen zu gehen: „Entweder wir gehen alle oder keiner“, soll sie dem Jungen gesagt haben. Schorlemmer blieb, verweigerte den Wehrdienst und engagierte sich.

Noch immer mischt Schorlemmer sich wortgewaltig ein

Von 1962 bis 1967 studierte er Theologie in Halle, arbeitete erst in den Franckeschen Stiftungen und danach als Studentenpfarrer in Merseburg. Seit 1978 lebt er in Wittenberg, war Dozent am Evangelischen Predigerseminar und Prediger an der Schlosskirche, von 1992 bis 2007 Studienleiter an der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt. Noch immer beteiligt sich Schorlemmer an Diskussionen, mischt sich wortgewaltig ein. Auch während der großen Feierlichkeiten zum 500. Reformationsjubiläum 2017 hielt er mit seiner Kritik nicht zurück. Zum Tag der deutschen Einheit, am 3. Oktober 2019, wird Schorlemmer im Berliner Dom predigen. „Ich bin gefragt worden“, sagt er und lächelt.

Zwei politische Ereignisse haben ihn nach eigenen Worten besonders geprägt, der Prager Frühling 1968 und einige Jahre zuvor vor allem der 13. August 1961, der Tag des Mauerbaus. „Jetzt bist Du eingesperrt. Wie richtest Du Dein Leben ein, wenn Du keine Alternative mehr hast? Das ist mir sehr nah gegangen“, sagt er rückblickend. Seit den 1970er Jahren engagierte er sich in der Friedens- und Umweltbewegung in der DDR.

Quelle: Evangelische Kirche in Deutschland: Nachrichten ( http://www.ekd.de/rss/editorials.xml)
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