Nebendarsteller der Passionsgeschichte in der Bibel

Während Jesus im Palast des Hohenpriesters verhöhnt, angespuckt und geschlagen wird, wartet Petrus draußen und wärmt sich an einem Feuer. Eine Magd des Hohenpriesters erkennt ihn und sagt, er gehöre zu den Jüngern des festgenommenen Jesus von Nazareth. Die Magd, dessen Name nicht überliefert ist, gehört zu den Nebendarstellern der Passionsgeschichte.

Malchus

Ach, dieser Petrus: Fast hätte er den Ablauf der gesamten Heilsgeschichte durcheinander gebracht! Jedenfalls berichtet der Evangelist Johannes es so. Als Soldaten und Knechte des Hohenpriesters Jesus gefangennehmen wollen, versucht der übereifrige Jünger, dies verhindern; mit einem Schwert schlägt er einem der Häscher das rechte Ohr ab. Statt eines Lobes hört Petrus von Jesus einen Tadel. „Steck dein Schwert in die Scheide“, weist er den Jünger an, „soll ich den Kelch nicht trinken, den mir mein Vater gegeben hat?“

Zitat: „Simon Petrus aber hatte ein Schwert und zog es und schlug nach dem Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm sein rechtes Ohr ab.“ (Johannes 18,10)

Die Magd des Hohepriesters

Ein weiteres Mal verhält sich Petrus daneben. Während Jesus im Palast des Hohenpriesters verhöhnt, angespuckt und geschlagen wird, wartet Petrus draußen und wärmt sich an einem Feuer. Eine Magd erkennt ihn und sagt, er gehöre zu den Jüngern des festgenommenen Jesus von Nazareth. „Ich verstehe nicht, was du meinst“, antwortet Petrus – da kräht der Hahn zum ersten Mal. Die Magd lässt nicht locker und sagt den Umstehenden, wer Petrus ist. Zum zweiten Mal verleugnet Petrus seinen Herrn.

Zitat: „Da kam eine von den Mägden des Hohenpriesters … und sprach: Und du warst auch mit dem Jesus von Nazareth.“ (Markus 14,66-72)

Barabbas

Zum Jerusalemer Passah-Fest war es Brauch, dass der römische Statthalter einen Gefangen freigibt. Pontius Pilatus wittert eine Chance, die Verantwortung für das weitere Schicksal des gefangenen Jesus auf das Volk zu übertragen. Er fragt die Menge, ob sie den des Aufruhr und des Mordes beschuldigten Barabbas oder aber den Wanderprediger aus Nazareth freigelassen haben möchte. „Barabbas“, ruft ihm das Volk entgegen. „Und was soll ich mit Jesus machen?“ fragt Pilatus. „Lass ihn kreuzigen“, skandiert die Menschenmenge. Woraufhin sich Pilatus die Hände in Unschuld waschen kann.

Zitat: „Sie hatten aber zu der Zeit einen berüchtigten Gefangenen, der hieß Jesus Barabbas.“ (Matthäus 27,15-26)

Claudia Procula

Wieso wohl nur der Evangelist Johannes die Frau des Pontius Pilatus zu Wort kommen lässt? Jedenfalls taucht sie nur bei ihm auf (namenlos, der Name „Claudia“ wurde ihr erst später verliehen). Sie fordert ihren Mann auf, Jesus frei zu lassen; im Traum habe sie „viel erlitten“ um Jesus. Theologen von den Kirchenvätern bis zu Luther deuteten den Traum unterschiedlich: Einige behaupten, er sei von Gott gewirkt, andere sehen Satan aals Urheber, der das Erlösungswerk verhindern wollte.

Zitat: „Habe du nichts zu schaffen mit diesem Gerechten; denn ich habe heute viel erlitten im Traum um seinetwillen.“ (Matthäus 27,19)

Dismas

Drei Kreuze standen auf Golgatha, der Richtstätte vor den Toren Jerusalems. Mit Jesus wurden zwei „Übeltäter“ hingerichtet, denen die Tradition die Namen Dismas und Kosmas (auch Gismas) gab. Während der letztgenannte Jesus lästert, bereut Dismas seine Taten und bittet Jesus um Gnade. „Heute wirst du mit mir im Paradies sein“, verheißt Jesus ihm.

Zitat: „Jesus, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst!“ (Lukas 23,42)

Der Hauptmann von Golgatha

So couragiert und gelassen hatte dieser römische Hauptmann noch keinen Menschen in den Tod gehen sehen. „Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist“, sagte der gekreuzigte Jesus kurz vor seinem Sterben. Auch die ungewöhnlichen Naturereignisse der vorangegangenen drei Stunden werden dem Soldaten zu denken gegeben haben: Eine dreistündige Sonnenfinsternis hatte den Himmel über Golgatha verdunkelt.

Zitat: „Als aber der Hauptmann sah, was da geschah, pries er Gott und sprach: Fürwahr, dieser ist ein frommer Mensch gewesen!“ (Lukas 23,47)

Longinus  

Auch dieser Soldat trägt in der Bibel keinen Namen. Um zu prüfen, ob Jesus wirklich tot ist, stach er mit einer Lanze in den Oberkörper Jesu. Diese Wunde spielt nach der Auferstehung eine Rolle, als Jesus den ungläubigen Thomas auffordert, seine Finger in die Wunde zu legen   (Joh. 20,24-31). Die Lanze des Longinus hat durch die gesamte Geschichte des Abendlandes große Bedeutung; da sie vom Blut Jesu getränkt ist, soll sie übernatürliche Kräfte besitzen.

Zitat: „Einer der Soldaten stieß mit dem Speer in seine Seite, und sogleich kam Blut und Wasser heraus.“ (Johannes 19,33-37)

Uwe Birnstein


Zum Weiterlesen:
Leo Pittracher: Letzte Tage in Jerusalem. Die Erzählungen der Karwoche, St. Ottilien 2009.

Quelle: Evangelische Kirche in Deutschland: Nachrichten ( http://www.ekd.de/rss/editorials.xml)
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