Ehrlich zueinander sein

Wahrheit kann nicht ohne Liebe sein

Was im Kolosserbrief (Kolosser 3,8–11) steht, macht deutlich: Geht so miteinander um, redet so miteinander, dass ihr Menschen nicht Unrecht tut. Redet so miteinander, dass ihr Beziehungen nicht zerstört. Und der Kern der Begründung lautet: Weil alle Menschen es verdient haben, als Menschen behandelt zu werden, die von Gott geschaffen sind, als seine Ebenbilder. Das gilt umso mehr, wenn ihr an Christus glaubt. Dann, so kann man den Gedanken übertragen, glaubt ihr nämlich, dass ihr in ihm erneuerte Menschen seid. Im Glauben an Christus könnt ihr abschütteln, was diese Welt oft bestimmt: Du musst dich gegen andere durchsetzen. Du musst andere auf die Seite schieben. Du musst zusehen, dass du immer auf der Gewinnerseite stehst. Bezogen auf die Farben der Lüge heißt das: auf gar keinen Fall schwarze Lügen, die andere kaputt machen sollen. Lass auch die blauen Lügen, die nur den eigenen Vorteil suchen. Weiße Lügen kann, ja muss es manchmal sogar geben, weil die Wahrheit nicht ohne Liebe sein kann.

Der Apostel Paulus sagt das an einer anderen Stelle mit dem schönen Satz: „Die Liebe freut sich nicht an der Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit.“ (1 Kor 13,6) Das heißt: Die Liebe will anderen keinen Schaden zufügen. Sie sucht nach Gerechtigkeit. Sie sucht danach, dass alle Menschen zu ihrem Recht kommen.

Aber was heißt das praktisch? Muss ich anderen nicht doch immer die Wahrheit sagen – auch wenn es für sie schwierig ist? Ist es nicht besser, auch mal zu sagen, dass der Kuchen nicht schmeckt? Es mag sein.Trotzdem ist es dann immer noch eine Frage, wie ich diese Wahrheit sage. Hilfreich finde ich den Ratschlag von Max Frisch: Schlag die Wahrheit jemandem nicht wie einen nassen Lappen um die Ohren. Halte sie hin wie einen Mantel, in den jemand schlüpfen kann! Das wünsche ich mir auch von anderen, wenn sie mir eine unangenehme Wahrheit sagen.

Impuls-Fragen:

1. Schwarze, blaue, weiße Lügen – sagt Ihnen die Unterscheidung zu?
2. Wann fiel es Ihnen einmal schwer, jemand die Wahrheit zu sagen?
3. Wann hat Ihnen jemand eine unangenehme Wahrheit so gesagt, dass sie diese gut annehmen
konnten?

Volker Jung


Der Text stammt aus dem Magazin „ZUTATEN. Themenheft zur Fastenaktion der evangelischen Kirche 2019“, edition chrismon.

Quelle: Evangelische Kirche in Deutschland: Nachrichten ( http://www.ekd.de/rss/editorials.xml)
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