Martin Luther Kings Traum lebt

Bis zu diesem Moment war es ein langer Weg. Allein von der ersten Idee bis zum ersten Libretto sind zwei Jahre vergangen. Denn das Musical sollte nicht eins unter vielen werden. „Ich will nicht einfach Mary Poppins machen. Ich möchte gerne, dass Leute tatsächlich angerührt werden vom Evangelium“, beschreibt Texter Andreas Malessa sein inhaltliches Ziel für das Musical. Außerdem habe er den Unterschied zwischen einer Gutmenschen-Illusion und einer konkreten, christlichen politischen Utopie aufzeigen wollen. Und das sei aktuell nötiger denn je: „Wenn wir in Deutschland Kräfte haben, die die Regierung bitten, sie möge die Bevölkerung wieder nach Religion und Rasse sortieren“, so Malessa, „dann wird es höchste Zeit, dass wir Martin Luther Kings Botschaft ernst nehmen: Es ströme das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegenden Bach.“ Von diesem Bibelwort aus dem Buch des Propheten Amos (5, 24) sei Martin Luther Kings Engagement getragen gewesen.

Zusammen mit den Komponisten Hanjo Gäbler und Christoph Terbuyken habe er dann an der Umsetzung dieser Vorstellungen gefeilt. Freundschaftlich-ehrlich sagten sich die Männer, was sie dachten. „Das kann man nicht vertonen, das ist ein gesungener Zeitungsartikel. Da musst du noch mal dran“ sei eine Reaktion auf einen Textvorschlag gewesen, erinnert sich Malessa. „Die Jungs durften sagen: ‚Das ist uns zu schleimig‘. Und ich durfte sagen: ‚Wir sind hier nicht beim Karussell. Das ist mir zu billig‘“, so Malessa.

Sowohl das musikalische als auch das textliche Endergebnis stößt bei den Sängerinnen und Sängern auf breite Zustimmung. Sie haben sich von der Botschaft des Musicals berühren lassen – jeder auf seine eigene Weise. Petra Schulte aus Rietberg findet zum Beispiel, dass die Liedtexte den Zuhörer dazu anregen, an den Nächsten zu denken und wie man miteinander umgeht. Luise Bode schöpft durch die Worte Hoffnung: „Wenn viele gemeinsam träumen, können wir die Welt verändern.“

„Das ist alles lange her – hier wird es wieder lebendig“

Und auch Yannik Schulz lässt sich nicht nur von der Atmosphäre beeindrucken. „Das ist alles so lange her, aber hier wird es wieder lebendig und zeigt, wie aktuell das alles noch ist“, sagt er. Und Komponist Gäbler berichtet von dem Erlebnis einer Teilnehmerin, das ihn tief berührt hat: In einem Berliner Bus habe eine der Chor-Sängerin erlebt, wie ein junger Mann ungefragt gegenüber einer afrikanischen Familie gesagt habe, er stehe nur für Deutsche auf. „Daraufhin hat sie der Familie ihren Platz angeboten, ist zu dem Mann hingegangen und hat ihm gesagt: ‚Ich bin ja offensichtlich Deutsche, geben Sie mir bitte ihren Platz‘“, erzählt Gäbler strahlend. Diese kleine Geschichte aus dem Alltag hat ihn so beeindruckt, „weil man darin sieht, dass das aufgegangen ist, was wir hier gelernt haben“. 

Auch die Darsteller haben sich intensiv auf ihre Rollen vorbereitet. Für Andreas Wolfram, der den King-Kritiker und Bürgerrechtler Malcolm X spielt, sei es besonders wichtig gewesen, die Motivation für Malcolm X’ Handeln im Vergleich zu der von King zu hinterfragen. „Malcolm X und King unterschieden sich nicht in dem, was sie erreichen wollten“, ist Wolfram überzeugt, „der Unterschied bestand in dem, woher sie gedanklich kamen: King hatte eine Vision und wollte auf eine gute Sache hinarbeiten, Malcom X wollte von der Brutalität und Ungerechtigkeit, mit der Farbige behandelt wurden, weg.“ Wolfram sieht Malcolm X nicht als einen Psychopathen an, er habe nur nach der Divise „der Zweck heiligt die Mittel“ gehandelt. „Selbst wenn seine Mittel brutal sind, so hat er doch nicht aus Brutalität gehandelt“, beschreibt Wolfram den Charakter seiner Figur weiter. Auf der Bühne bringt er den Zuschauern beide Seiten des Malcolm X näher: die des mit Benzin und Feuerzeug spielenden, Baseballschläger-schwingenden kompromisslosen Kämpfers und die des verzweifelten Mannes, der von der Heiligen Geistin Zuspruch braucht.

Quelle: Evangelische Kirche in Deutschland: Nachrichten ( http://www.ekd.de/rss/editorials.xml)
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