Von 19 auf 267 volle Kirchen

Von 19 auf 267 volle Kirchen

Das Erfolgsgeheimnis der tansanischen Rift Valley Diözese

Dieses Wochenende (16. bis 17. Juni) ist Landesmissionsfest in Bad Urach. Missionare und Gäste aus Albanien, Indien, Slowenien und vielen weiteren Ländern kommen dort zusammen, um für die Gemeindearbeit voneinander zu lernen. Bischof John Lupaa und acht Jugendliche aus der Diözese des Rift Valley in Tansania sind schon einige Tage vorher angereist. Seit 1992 ist die Diözese Partner der Kirchenbezirke Bad Urach-Münsingen und Bernhausen. 

Elizabeth und Irene versuchen sich am Spätzleteig © EMH/Neumann

„Du musst ein Geräusch hören, so flup flup“, sagt Gerlinde Gebhardt auf Englisch zu der 17-jährigen Elizabeth Stephen. Die schabt zum ersten Mal in ihrem Leben Spätzle. Elizabeth kommt aus dem 6.500 Kilometer entfernten Tansania und gehört einer Gemeinde der dortigen Rift Valley Diözese an. Acht weitere Jugendliche aus ihrer Heimat drängen sich in der Küche von Gerlinde und Matthias Gebhardt, dem Bezirksjugendreferenten von Bernhausen.

Seit 1992 besteht eine Partnerschaft zwischen der Rift Valley Diözese und den Kirchenbezirken Bernhausen und Münszingen. Zustande kam sie, als sich die damaligen Bischöfe Theo Sorg und Alpha Mohammed auf einer Konferenz kennen und schätzen lernten. 1997 besuchte erstmals eine Jugendgruppe aus Tansania die Gemeinden in Bernhausen, Münszingen und Bad Urach. Die Jugendlichen werden in Gastfamilien untergebracht, die ein Kind im Alter der Tansanier haben. Im Folgejahr besuchen die deutschen Jugendlichen ihre Gastgeschwister in deren Heimat.

Für alle acht Jugendlichen ist es das erste Mal im Ausland. „Ich fühle mich wie das zweite Kind meiner Gasteltern. Sie waren sofort sehr herzlich zu mir“, sagt Elizabeth. Matthias Gebhardt sorgt dafür, dass ihre drei Wochen in Deutschland gut ausgefüllt sind. Insgesamt durchlaufen die Jugendlichen drei Phasen. Zunächst verbringen die tansanischen Jugendlichen und ihre deutschen Gastgeschwister vier Nächte in einem Freizeitheim am Bodensee. Danach sind sie für drei Nächte in ihren Gastfamilien, um am Alltag einer deutschen Familie teilzuhaben. „Wenn man irgendwohin in den Urlaub fährt, lernt man die Menschen vor Ort ja gar nicht richtig kennen. Ich finde es toll, so viel Zeit mit Elizabeth zu verbringen und sie nächstes Jahr sogar besuchen zu können“, erklärt die 19-jährige Malin aus Bernhausen, warum sie bei dem Austausch mitmacht.

Nach einigen Tagen in den Gastfamilien wohnen alle tansanischen Jugendlichen bei  Familie Gebhardt. „Von da an sind wir jeden Tag auf Achse: Wir besuchen Grillabende des Evangelischen Jugendwerks, Städte im Umkreis wie Ulm und Tübingen und natürlich Gottesdienste“, sagt Matthias Gebhardt.

(Von links nach rechts:) Malin, Neema, Abel, Timoth, Elizabeth, Joseph Kyense, Yosia, Matthias Gebhardt, Agnes, Elisabeth Schenk und Irene

„In den Predigten des Jugendgottesdienstes finde ich mich wieder. Es geht dort um Probleme Jugendlicher und wie Jesus ihnen hilft“, sagt Elizabeth. Ihr gefallen die aktiven Elemente des Jugendgottesdienstes, zum Beispiel, dass die Gottesdienstbesucher einen Stein als Symbol für ihre Not am Altar ablegen konnten. „Was ich hier erlebt habe, möchte ich in meiner Gemeinde einbringen. Unsere Gottesdienste sollten auch das Leben der Menschen wiederspiegeln“, sagt sie.

„Ihr Deutschen wisst, wie man die Leute zusammen bringt“, sagt Bischof John Lupaa. 1998 kam er zum ersten Mal in den Kirchenbezirk Bad Urach-Münzsingen und war beeindruckt, wie viele kirchliche Veranstaltungen es gab: Kirchenkonzerte, kirchliche Veranstaltungen für Kinder und ein großes Fest, ähnlich dem an diesem Wochenende stattfindenden Landesmissionsfest. „Ich habe mir vorgenommen, dieses Modell für meine Diözese zu übernehmen. Jedes Jahr veranstalten unsere Gemeinden mindestens ein großes Event“, betont er.

Bischof John Lupa © EMH/Neumann

Sein Konzept geht auf. Im ersten Jahr nach ihrer Gründung 1991 gab es in der Rift Valley Diözese 19 Kirchen. Jetzt zählt sie 267 gut besuchte Gotteshäuser, der Bau des 268. hat bereits begonnen. Die Mitgliederzahlen steigen. Wodurch ist der Erfolg der Rift Valley Gemeinden begründet? Die Diözese installierte mithilfe der deutschen Partner ein funktionierendes Wasserleitungssystem und eröffnete eine Apotheke. Sie betreibt ein Krankenhaus und ermöglicht einen kostenfreien Bildungszugang vom Kindergarten über die Grundschule, bis hin zum Abitur. „Jeder will sein Kind auf unsere Schulen schicken. Sie bieten einen höheren Standard als die öffentlichen Schulen“, sagt Lupaa. Über die Kinder, die in den Kindergarten oder die Grundschule gehen, kommen meist auch die Eltern zum Glauben.

„Ich habe von den Tansaniern gelernt, dass Glaube keine Privatsache ist, die man im Stillen vollzieht“, sagt Andreas Kümmerle, Referent für Weltmission im Evangelischen Oberkirchenrat. „Tansanier beten, wenn der Bus nicht kommt oder die Schulnoten nicht gut sind. Der Glaube ist Teil eines jeden Tages und jeder Handlung. Es ist unmöglich, nicht beschwingt aus einem Gottesdienst zu kommen nach all dem Singen und Tanzen dort. Wir sollten uns etwas von dieser Leidenschaft am Leben als Gläubige abschneiden.“

„Unsere Gemeinden wachsen, weil deren Mitglieder andere Menschen persönlich zu den großen kirchlichen Festivals einladen“, betont Lupaa. „Ihr Deutschen habt viel zu viel Angst vor Zurückweisung. Sprecht die an, die noch nicht glauben!  Auch im 21.Jahrhundert ist die Mission nicht abgeschlossen.”

Marie-Louise Neumann

Quelle: Evangelische Landeskirche Württemberg ( http://www.elk-wue.de/index.php?type=13)
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