„Und – was machst du so?“

„Und – was machst du so?“

Eine Andacht zum Tag der Arbeit

Am 1. Mai ist Tag der Arbeit. Was bedeutet die Arbeit den Menschen eigentlich? Was sagt die Bibel dazu? Und welche Lehre kann man daraus ziehen? Pfarrer Daniel Renz hat sich in seiner Andacht mit dem Thema beschäftigt.

© Kirche im SWR

„Und – was machst du so?“ Wenn ich jemanden neu kennenlerne, dann interessiere ich mich für seine Arbeit. Zu dem, was einen Menschen ausmacht, gehört immer auch sein Beruf. Der wird auf offiziellen Formularen abgefragt. Er wird auf dem Standesamt verlesen. Und auf Wahlzetteln steht immer auch, was die Vollzeitpolitiker ursprünglich gelernt haben.

Dass Arbeit so große Bedeutung hat — das finde ich schon auf den ersten Seiten der Bibel. Da wird nämlich zuallererst erzählt, dass Gott schafft. Nämlich die Welt. Und dann erschafft Gott den Menschen – und gibt auch ihm gleich mal Arbeit: „Gott, der Herr, brachte den Menschen in den Garten Eden. Er sollte ihn bebauen und bewahren.“ (Genesis/1. Mose 2,15)

Auch in dieser uralten Geschichte scheint mir die Arbeit zum menschlichen Alltag zu gehören. Und zwar einfach so, ganz selbstverständlich. Die Menschen bekommen eine Aufgabe. Die gibt ihrem Leben Sinn. Die Schöpfung bebauen und bewahren. Als Mutter oder Vater, als Landwirt, als Ärztin, als Schreiner, als Friseurin oder als Sachbearbeiter.

Dann wird in der Bibel aber auch erzählt, wie nach und nach alles ins Rutschen kommt. Und auch die Arbeit des Menschen gerät aus dem Gleichgewicht. Sie wird mühsam, heißt es. Und der Mensch schafft schließlich „[i]m Schweiße [s]eines Angesichts“ (Genesis/1. Mose 3,19). Plötzlich wird die Arbeit zum Problem.

Das kann man heute noch spüren, finde ich. Für viele ist ihre Arbeit ein lästiger Job. Die Stimmung steigt erst Richtung Wochenende. Und auf der anderen Seite kenne ich Leute, für die ist die Arbeit ihr einziger Lebensinhalt. Sie können gar nicht mehr abschalten.

Manche Menschen sind unterfordert von ihrer Arbeit. Oder sie haben gar keine Arbeit. Und auf der anderen Seite fühlen sich mehr und mehr Beschäftigte in ihrem Beruf überlastet. Auch da ist doch was aus dem Gleichgewicht geraten.

… und schließlich: Es gibt Berufe, die werden sehr schlecht bezahlt. Und andere verdienen viel zu viel mit dem, was sie tun. Auch das ist eine Schieflage.

In der Bibel wird diese Spannung nicht aufgelöst. Zu Recht, finde ich. Wir leben eben nicht mehr im Paradies. Arbeit wird immer auch Probleme machen. Aber sie gehört immer noch zu uns und macht uns aus. So hat Gott uns gedacht. Um so wichtiger finde ich es, dass die Bedingungen für die Arbeit stimmen.

Vielleicht haben ja auch Sie frei heute, am Tag der Arbeit. Und haben einen Moment Zeit zum Nachdenken: „Was bedeutet mir meine Arbeit?“ – „Wo spüre ich Schieflagen?“ – „Und was davon kann ich selber ändern?“

Gesendet bei Kirche im SWR (SWR1 & SWR4)

Quelle: Evangelische Landeskirche Württemberg ( http://www.elk-wue.de/index.php?type=13)
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