“Den Mut haben, etwas zu sagen”

Eine Andacht zum zweiten Advent von Pfarrer Bernhard Riesch-Clausecker

Den Terror der Hexenverfolgung konnte der Jesuitenpater Friedrich Spee von Langenfeld mit seinem Adventslied „O Heiland, reiß die Himmel auf“ nicht stoppen. Aber er hat getan, was ein Einzelner tun kann: er hat nicht geschwiegen. Was das mit Weihnachten zu tun hat, erklärt Pfarrer Bernhard Riesch-Clausecker in seiner Andacht zum zweiten Advent.

Pfarrer Bernhard Riesch-Clausecker © Kirche im SWR

Vor bald 400 Jahren schreibt der Jesuitenpater Friedrich Spee von Langenfeld das Lied „O Heiland, reiß die Himmel auf.“ Es ist kein Adventslied von der beschaulichen Sorte. Nein, es klagt und fragt.

Die Zeit des Dreißigjährigen Kriegs war auch die Zeit der Hexenverfolgung. Spee war ihr leidenschaftlicher Gegner – und er war Beichtvater ihrer Opfer. Er beschreibt die Ausweglosigkeit der Frauen, die der Hexerei angeklagt waren. Er hat Partei für sie ergriffen. Er hat bezweifelt, dass Aussagen unter Folter in irgendeiner Weise zur Klärung beitragen können. Er hat sich gefragt, was er tun kann, um diesen Frauen zu helfen. Er fragt Gott, wie es um seine Gerechtigkeit steht. „Hier leiden wir die größte Not, vor Augen steht der ewig Tod; ach komm, führ uns mit starker Hand vom Elend zu dem Vaterland.“

Den Terror der Hexenverfolgung konnte Spee nicht stoppen. Aber er hat getan, was ein Einzelner tun kann: er hat nicht geschwiegen. Er hat nicht resigniert. Nicht die Hände in den Schoß gelegt. Nicht gedacht und gesagt: Kannst eh nichts machen. Er hat getröstet und Bücher geschrieben gegen diesen Wahnsinn. Er tritt darin für die Unschuldsvermutung ein. Für faire Verfahren vor Gericht. Er wirbt für Menschen- und Frauenrechte. Und er hat Gott angefleht um Hilfe und Trost. Er ruft nicht nach dem süßen Christkind, sondern nach dem Heiland. Nach dem Mann, der selbst unter das Rad der Geschichte geriet und ein Opfer von Gewalt wurde.

Heute ist auch der Internationale Tag der Menschenrechte. Am 10. Dezember 1948 haben 56 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen die Erklärung der Allgemeinen Menschenrechte unterschrieben. Zu den Menschenrechten gehört das Recht auf Leben, Eigentum, Gesundheit. Die Menschenrechte fordern die Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz. Sie garantieren die Meinungsfreiheit und die Religionsfreiheit, um nur einige zu nennen. Diese Menschenrechte, sind ein Gradmesser. Ein Gradmesser dafür, wie es um die Menschlichkeit in der Welt bestellt ist. Gott sei Dank gibt es Organisationen wie amnesty international. Organisationen, die nicht nur an diesem Tag den Finger in die Wunde legen und weltweit Menschenrechtsverletzungen benennen.

Ich bin nicht gut im Warten. Aber das lerne ich von Friedrich Spee: Man kann schon etwas tun. Nicht wegschauen, wenn sie einen anderen verächtlich machen oder herabwürdigen. Den Mut haben, etwas zu sagen, wenn über andere abfällig geredet wird. Ich finde, ohne diese Haltung kann es nicht richtig Weihnachten werden.

Ursprünglich gelaufen bei SWR4.

Quelle: Evangelische Landeskirche Württemberg ( http://www.elk-wue.de/index.php?type=13)
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