Frieden ernten

Frieden ernten

Eine Andacht zum Erntedankfest von Rundfunkpfarrerin Dr. Lucie Panzer

Gartenbesitzer und Landwirte wissen: Aus ein paar wenigen Samenkörnern kann nicht viel wachsen. Allgemein ausgedrückt: Wer nicht viel investiert, kann auch keine große Rendite erwarten. Was aber ist mit den Menschen, die nichts zu investieren haben oder denen das Profitstreben anderer die Lebensgrundlage nimmt?

Rundfunkpfarrerin Dr. Lucie Panzer © EMH

Wer nicht viel investiert, kann auch keine große Rendite erwarten. So könnte man den Bibelabschnitt übersetzen, der heute in den evangelischen Gottesdiensten vorgesehen ist. Obwohl er eigentlich eher klingt wie ein Rat für Gartenbesitzer und Landwirte zum Erntedankfest: „Wer kärglich sät, wird kärglich ernten“ (2. Kor 9,6). Na klar, logisch! Aus ein paar wenigen Samenkörnern kann ja nicht viel wachsen.Wer nicht viel investiert, kann auch keine große Rendite erwarten. Ehrlich gesagt: Wenn ich ihn so in meine Welt übersetze, dann ärgert mich dieser Satz. Denn ich frage mich: Was ist mit denen, die kaum genug zum Leben haben? Die können nichts anlegen. Nicht ihr Geld für sich arbeiten lassen. Die kommen nie auf einen grünen Zweig. Wie ungerecht!

Aber Paulus hat genau an die gedacht, als er diesen Rat gegeben hat im 2. Brief an die Korinther. An die Armen. An die Bedürftigen. An die, die nichts anlegen, nicht selber für sich sorgen können. Er bittet um Unterstützung für Bedürftige und erinnert dabei: Wer nicht viel investiert, der kann auch keine große Rendite erwarten.

Was für eine Rendite kann man erwarten, wenn man Bedürftige unterstützt? Das Gefühl vielleicht, etwas Gutes getan zu haben. Aber sonst? Bedürftige zu unterstützen ist ehrenwert – aber das Geld ist weg. Vielleicht wollte Paulus sagen: „Vergelt’s Gott!“ Denn er schreibt ja weiter: „Wer im Segen sät, der erntet auch im Segen.“ Also: Wer etwas gibt, das für andere ein Segen ist, der wird auch selber von Gott gesegnet.

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Aber ich glaube, es gibt noch einen anderen, sehr weltlichen Zusammenhang von säen und ernten, von Investition für die Bedürftigen und Rendite. Wenn die Armen mehr bekommen als ein kärgliches Almosen, wenn sie wirklich großzügige Unterstützung bekommen – dann kommt das am Ende allen zugute. Denn dann wächst der Frieden. Ich denke z. B. an die Menschen in Afrika: Große Konzerne, die in Afrika arbeiten lassen und Gewinne machen, zahlen dort nicht einmal Steuern. Wovon sollen dann ein Gesundheitssystem aufgebaut werden, Schulen und Straßen? Kein Wunder, dass die Menschen dort keine Lebensmöglichkeiten für sich und ihre Kinder sehen. Es müssen Gesetze und Regeln geschaffen werden, die das ändern. Und ich selber kann Geld investieren: für die Flüchtlingslager dort. Für die Bildung der Kinder. Dafür, dass Frauen kleine Gärten anlegen können und ihre Produkte auf dem Markt verkaufen. Und: Ich kann Produkte aus dem fairen Handel kaufen. Die sind teurer als die anderen. Aber ich finde: Das Geld ist eine gute Investition.

Dieser Beitrag lief am 2. Oktober 2016 als „3vor8“ auf SWR1.

Quelle: Evangelische Landeskirche Württemberg ( http://www.elk-wue.de/index.php?type=13)
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