Fusion als logischer Schritt eines langen gemeinsamen Weges

Es ist gleichsam das Ende einer „wilden Ehe“: Die beiden evangelischen Kirchengemeinden St.Bernhardt-Wäldenbronn und Hohenkreuz in Esslingen schließen sich zum 1. Januar 2016 zusammen. Sie besiegeln damit das, was in vielen Bereichen schon lange gelebter Alltag ist.

„Es ist keine Entscheidung aus der Not heraus“, betont Claudia Kaiser, zweite Vorsitzende des Kirchengemeinderats von St. Bernhardt-Wäldenbronn. Schon seit 2001 läuft der Prozess des allmählichen Zusammenwachsens. Mehrmals im Jahr wird im Esslinger Norden zusammen Gottesdienst gefeiert. Frauen- und Jugendarbeit, Church Night, Gemeindebrief und seit kurzem auch der Internetauftritt werden ebenso gemeinsam verantwortet wie der Kirchenchor, der seit einiger Zeit sogar ökumenisch ist. Auch die Diakonin und die Kirchenpflegerin teilen sich beide Gemeinden. „Wir haben uns in den vergangenen Jahren so gut ergänzt, da ist die Fusion der logische rechtliche Schritt“, sagt Petja Scherrieble, Vorsitzende des Kirchengemeinderates von Hohenkreuz.

„Die beiden Kirchengemeinden werden von den Menschen als gemeinsamer Sozialraum wahrgenommen, da spürt man kaum Grenzen“, erklärt Enno Knospe, Pfarrer in St. Bernhardt. Dazu trägt vielleicht auch bei, dass St.Bernhardt-Wäldenbronn und Hohenkreuz bis in die 50er Jahre eine Kirchengemeinde bildeten. Nun wolle man sie wieder zusammenführen und so auch gezielt Kräfte bündeln, sagt Claudia Kaiser. Denn auch am Esslinger Norden ist der Wandel in der Kirche nicht vorbeigegangen. In den letzten 30 Jahren hat sich die Zahl der Gemeindemitglieder in beiden Gemeinden von 8500 auf 5090 verringert. Spätestens 2018 wird die Pfarrstelle St. Bernhardt auf 75 Prozent reduziert werden. Auch eines der drei Gemeindehäuser soll nach dem Willen der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Esslingen aufgegeben werden. Dies alles habe man natürlich auch im Hinterkopf gehabt, so Claudia Kaiser. Die Fusion schaffe etwa einen gemeinsamen Pool von Räumen.

Susanna Worbes, Pfarrerin in Wäldenbronn, hofft, dass sie und ihre beiden Kollegen dann ihre Gaben noch gezielter einsetzen können. „Wir werden sehen, wo es sinnvoll ist, dass einer etwas ganz macht, und wo es besser ist sich abzuwechseln.“ Im Moment plane man allerdings noch unter Vorbehalt, weil die Pfarrstelle in Hohenkreuz nach dem Weggang von Pfarrerin Mechthild Martzy derzeit unbesetzt ist.

Vieles werde Bestandsschutz genießen, versichert Claudia Kaiser. „Wir werden beobachten und dann überlegen, was man gut zusammenlegen kann.“ Auch das neue Gottesdienstkonzept, das bereits beschlossen ist, soll langfristig erprobt und bei Bedarf modifiziert werden. Nach der Formel „3 plus 1“ wird es dreimal im Monat Sonntagsgottesdienste im vertrauten Format jeweils in der St. Bernhardt-Kirche, im Gemeindezentrum Hainbachtal und „einANDERERgottesdienst“ in der Hohenkreuz-Kirche geben. „Es ist uns ein großes Anliegen, die Gemeinde zudem einmal im Monat in einem gemeinsamen Gottesdienst in der Hohenkreuz-Kirche zusammenzuführen“, betont Enno Knospe. „Das Gottesdienst-Konzept ist die größte und auch kritischste Veränderung“, weiß Petja Scherrieble.

Natürlich habe es in den Gemeinden Diskussionen um die Fusion gegeben. „Doch insgesamt läuft alles sehr friedlich ab“, freut sich Susanna Worbes. Beide Kirchengemeinderäte und auch die Gesamtkirchengemeinde Esslingen haben dem Zusammenschluss zugestimmt. Im Herbst sollen Oberkirchenrat und Land grünes Licht geben. Dann soll auch die Entscheidung fallen, wie die neue Kirchengemeinde heißen soll. Der Arbeitstitel „Esslingen Nord“ sei nicht auf große Gegenliebe gestoßen, sagt Susanna Worbes. Allerdings gilt es sieben Ortsteile – St. Bernhardt, Wäldenbronn, Hohenkreuz, Serach, Kennenburg, Wilflingshausen und Obertal – unter einen Hut zu bringen. Dann wird der Kirchengemeinderat auch weitere konkrete Schritte der Fusion ausarbeiten. Eines allerdings steht bereits fest: Pfarrämter und Seelsorgebezirke bleiben. Auch die zwei Gemeindebüros behält man vorerst – allerdings nur aus Platzgründen, weil keines der beiden groß genug wäre. „Für die Gemeindemitglieder werden die Veränderungen – abgesehen von den Gottesdiensten – im Alltag kaum spürbar sein“, ist Enno Knospe überzeugt.

Ulrike Rapp-Hirrlinger

Quelle: Evangelische Landeskirche Württemberg ( http://www.elk-wue.de/meta/news/rss-meldungen/?#)
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