„Heimat ist da, wo ich verstehe und verstanden werde“

Die Situation von Flüchtlingen und Folter-Opfern stand im Mittelpunkt der Sommersitzung der Evangelischen Bezirkssynode Tübingen. Vor den 126 Delegierten aus allen Gemeinden des Kirchenbezirks sagte Dekanin Elisabeth Hege: „Als Gesellschaft, aber auch als Kirchengemeinden sind wir weiterhin gefordert, Flüchtlinge aufzunehmen, ihnen das Ankommen zu erleichtern, ihnen Schutz zu bieten nach oft traumatischen Erlebnissen im Heimatland und auf der Flucht.“

 

Die Dekanin zeigte sich dankbar für die jüngsten Entwicklungen in der Flüchtlingsarbeit: So seien vielerorts Flüchtlings-Unterstützerkreise entstanden, oft angestoßen von Kirchengemeinden und mit vielen Beteiligten aus den Gemeinden, aber auch immer im Netz mit anderen Akteuren. Ehrenamtliche stellten teilweise aber auch fest, dass sie manchen Fragen nicht alleine gewachsen seien, berichtete Dekanin Hege: Sie bräuchten dafür auch selbst Fortbildung und Unterstützung. Als Ansprechpartner im Evangelischen Kirchenbezirk verwies die Dekanin auf die beiden Bezirks-Flüchtlingspfarrer Regina Fetzer (Rottenburg) und Frithjof Rittberger (Weilheim) sowie auf Ehrenamtliche wie die Tübinger Stiftskirchengemeinderätin Eva Arnold-Schaller.

 

Angela Zaschka vom Tübinger Asylzentrum berichtete, es gebe im Landkreis derzeit 49 Flüchtlingsunterkünfte, in denen 990 Personen untergebracht seien. Davon seien 13 Quartiere mit 400 Personen im Stadtgebiet von Tübingen. Fast überall hätten sich Unterstützer- und Freundeskreise gebildet, die beim Schriftverkehr mit Behörden, beim Sprachunterricht oder bei der Strukturierung des Alltags behilflich sein könnten. Studierende aus Tübingen böten Sprachkurse für Flüchtlingskinder an. Den Bedarf an medizinischer Hilfe und Versorgung nannte Zaschka „riesig“.

 

Dies bestätigten Ulrike Schneck und Peter Scholz vom Verein „Refugio“, der sich seit zehn Jahren um traumatisierte Flüchtlinge und Folteropfer kümmert – seit wenigen Monaten auch mit einer Beratungsstelle in Tübingen. Durch Gewalterfahrungen in den Herkunftsländern oder durch die Strapazen einer oft Jahrelangen Flucht seien rund 40 Prozent der in Deutschland ankommenden Flüchtlinge traumatisiert. Die oft jahrelange Ungewissheit über den Ausgang ihres Asylverfahrens lasse sie auch hier kaum zur Ruhe kommen. Neben Ärzten und Psychologen seien auch Dolmetscher von großer Bedeutung: „Flüchtlinge müssen ihre Geschichte in Worte fassen können. Heimat ist da, wo ich verstehe und verstanden werde“, sagte Ulrike Schneck.

 

Auf Vorschlag des Kirchenbezirksausschusses beschloss die Bezirkssynode einstimmig bei einer Enthaltung, das so genannte Bezirksopfer 2015 für Refugio vorzusehen: Jeweils an einem Sonntag wird in allen Gemeinden des Bezirks eine Gottesdienstkollekte für ein gemeinsames sozialdiakonisches Projekt eingesammelt.

 

Kirchenbezirksrechner Matthias Röckle konnte sich in seinem Bericht über steigende Kirchensteuereinnahmen freuen. Gründe dafür seien die hohe Wirtschaftskraft, ein gestiegener Konsum und die niedrige Arbeitslosigkeit in Baden-Württemberg. Die evangelische Landeskirche rechne auch mittelfristig mit einem stabilen Kirchensteueraufkommen, solange außenpolitische Krisen nicht außer Kontrolle gerieten, berichtete Röckle. Die Summe der von der Landeskirche an den Kirchenbezirk Tübingen überwiesenen Kirchensteuer erhöhe sich von 8,67 Millionen Euro im Jahr 2015 um rund drei Prozent auf 9,03 Millionen Euro im Jahr 2016. Diese Kirchensteuereinnahmen verteilt der Bezirk an die 44 Kirchengemeinden. Die Bezirksaufgaben – insbesondere Diakonie, Jugendarbeit und Seelsorge – werden über die Bezirksumlage finanziert, die die Gemeinden wieder an den Bezirk überweisen. Für 2016 beschloss die Bezirkssynode einstimmig eine Erhöhung der Bezirksumlage um 1,40 Euro auf jetzt 28,90 Euro pro Gemeindeglied. Knapp die Hälfte der Erhöhung wird benötigt, weil drei evangelische Kindertagesstätten in Mössingen von der Kirchengemeinde in die Trägerschaft des Kirchenbezirks übergehen.

 

Dekanin Elisabeth Hege erinnerte an die geltenden Beschlüsse zum Pfarrstellenstrukturplan: Zielvorgaben für das Jahr 2024 gebe es zwar noch nicht, doch müsse sich der Kirchenbezirk nach derzeitiger Schätzung auf Kürzungen von rund 5,5 Pfarrstellen einrichten. Sie rief insbesondere kleinere Kirchengemeinden zu verstärkten Kooperationen auf, die nicht nur die Pfarrämter, sondern die ganzen Kirchengemeinden umfassen müssten. Der Kirchenbezirksausschuss schlage die Einrichtung einer Strukturrücklage von zunächst 50.000 Euro vor, die für Beratungs- und Kooperationsprozesse der Kirchengemeinden genutzt werden sollten, berichtete die Dekanin. Einen Beschluss dazu könne die Bezirkssynode im Rahmen der Haushaltsberatungen im Herbst fassen.

Quelle: Evangelische Landeskirche Württemberg ( http://www.elk-wue.de/meta/news/rss-meldungen/?#)
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