Ein Zeichen des Mitgefühls und der Menschlichkeit

Das Kreuz ist ein ideales Firmenlogo, hat mir mal ein Werbefachmann verraten. Es sei denkbar einfach und doch auffallend. Verbindet oben und unten und links und rechts. Sozusagen Himmel und Erde und die Menschen miteinander. Was dem Werbemenschen gefällt, das gefällt einer Freundin von mir überhaupt nicht. „Kreuze sind keine Werbelogos, sie waren ein Folterwerkzeug!“ sagt sie. „An ihnen sind zur Zeit Jesu tausende Menschen hingerichtet worden. Das muss man nicht so zeigen.“

Dass Jesus an so einem Kreuz hingerichtet wurde, das ist die Geschichte von Karfreitag heute. Ich kann verstehen, dass man das lieber nicht sehen will. Es ist grausam. Warum stellt man einen Leidenden so aus? Andererseits bin ich froh, dass es Menschen gibt, die hinschauen, wenn jemand leidet und grausame Dinge passieren. Manche haben sich das ja zum Beruf gemacht: Ärzte, Sanitäter, Krankenschwestern. Sie alle müssen hinschauen, wenn Schlimmes passiert. Stellvertretend für uns. Polizisten und Richter zum Beispiel müssen sich einen Tathergang schildern lassen oder Bilder von Kinderpornographie anschauen. Nicht alle können sowas aushalten, manche würden daran zerbrechen. Gut, dass es Leute gibt, die das können und für uns tun! Die nicht wegschauen und die Leidenden nicht allein lassen! 

Und so verstehe ich das Kreuz als das Symbol des christlichen Glaubens: Es ist ein Zeichen dafür, dass die Leidenden nicht allein bleiben, dass jemand ihnen ihre Würde zurückgibt. Natürlich haben alle Menschen eine Würde. Aber es muss Menschen geben, die diese Würde hochhalten und schützen, wenn Menschen Unrecht geschieht oder wenn sie leiden müssen. Einfach indem sie hinschauen. 

So gesehen ist das Kreuz nicht nur ein Logo oder ein Zeichen für die Macht der Kirche. Es ist ein Symbol des Mitgefühls und der Menschlichkeit. 

 

Pfarrer Markus Eckert

Quelle: Evangelische Landeskirche Württemberg ( http://www.elk-wue.de/meta/news/rss-meldungen/)
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