Jesu Abschiedsgeschenk

Abschiedsfeste haben eine ganz eigene Atmosphäre. Wenn ein Lebensabschnitt endet, eine vertraute Gruppe auseinandergeht oder ein guter Freund ins Ausland zieht, dann feiern wir oft noch einmal gemeinsam. Für mich verbinden sich solche Momente des Abschieds immer mit großer Wehmut – aber gleichzeitig dem beglückenden Gefühl einer besonderen Nähe zueinander.

Abschiedsfeste haben eine ganz eigene Atmosphäre. Die Geschichte vom letzten Abendmahl, an die heute, am Gründonnerstag, in den Kirchen erinnert wird, erzählt auch von einem Abschiedsfest. Jesus und seine engsten Freunde wissen, dass ihnen nicht mehr viel Zeit miteinander bleibt. Und sie feiern noch einmal gemeinsam. Ich kann mir vorstellen, dass dieses Abschiedsfest besonders schmerzlich war. Jesus weiß, dass er sterben wird, und er hat Angst. Und seine Jünger wohl auch. Es sieht nach einem Abschied für immer aus.

Was hilft bei so einem Abschied? Ich finde, es tut gut, etwas mitnehmen zu können. Ein Abschiedsgeschenk, das an den oder die Menschen erinnert, die man nun nicht mehr sehen wird. Das kann etwas Materielles sein, ein Bild oder auch ein Gegenstand. Es kann aber auch etwas sein, das nur im Kopf bleibt: eine Melodie, ein Geschmack oder Geruch, der immer mit der Zeit verbunden sein wird. Vielleicht auch nur eine Geste. Meine Großmutter hatte eine spezielle Art, ihren Kopf auf ihre Hand zu stützen. Als sie gestorben war, habe ich – damals noch ein Kind – das manchmal nachgemacht und so die Erinnerung wachgehalten.

Die schönsten Abschiedsgeschenke sind für mich aber die, die im Alltag immer wieder präsent sind. Das Abschiedsgeschenk von Jesus an seine Jünger am Gründonnerstag ist so ein Geschenk. Eine Alltagsgeste: ein Stück Brot, das sie teilen, ein Schluck Wein, den sie zusammen trinken. Immer, wenn ihr das tut und an mich denkt, dann bin ich bei euch, sagt Jesus ihnen dazu.

Das Abendmahl als Abschiedsgeschenk: eine schlichte Geste, die gut tut und die Erinnerung wach hält. Eine schlichte Geste, in der der Schenkende mir nah ist. Weil ich daran denke, wie er Menschen miteinander verbunden und gestärkt hat. Und daran, was ich auf seinen Spuren schon mit anderen Menschen erlebt habe.

Auch wenn sich über die Jahrhunderte komplizierte Theorien zum Abendmahl entwickelt haben, auch wenn oft mehr das Trennende als das Verbindende zwischen den Kirchen im Vordergrund steht – für mich bleibt das Abendmahl im Kern genau das: ein Abschiedsgeschenk, das mir lieb geworden ist.

Quelle: Evangelische Landeskirche Württemberg ( http://www.elk-wue.de/meta/news/rss-meldungen/)
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