Ein Haus, das sich die Bürgerschaft geschenkt hat

Vor einem Jahr wurde das Hospiz Esslingen der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde eröffnet. Seitdem hat das erste stationäre Hospiz im Landkreis vielen sterbenskranken Menschen einen würdevollen Abschied aus dem Leben ermöglicht. Der Bedarf an den insgesamt acht Plätzen ist groß. Fachkräfte und geschulte ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter begleiten die Patienten. Unter dem Dach des Hospizes ist auch der Bereich der ambulanten Hospizarbeit angesiedelt, den es in Esslingen bereits seit über 20 Jahren gibt. 70 Ehrenamtliche und 25 Hauptamtliche engagieren sich in beiden Bereichen des Hospiz.

„Es war eine mutige, gute und richtige Entscheidung, das Hospiz zu bauen“, betont Dekan Bernd Weißenborn, der aber auch das vor allem finanzielle Risiko, das die Evangelische Gesamtkirchengemeinde als Trägerin einging, nicht verschweigt. Inzwischen habe das Hospiz seinen Platz in der Gesellschaft gefunden und sich als offener Ort gezeigt. „Es ist ein Haus, das sich die Bürgerschaft geschenkt hat“, meint er mit Blick auf die große finanzielle Unterstützung aus der Bevölkerung. Sein guter Ruf gründe sich auch auf die kompetenten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mit Herz bei der Sache seien.

„Neben der ambulanten Hospizarbeit ist das stationäre Hospiz eine große Bereicherung in Stadt und Landkreis“, ist auch Siegfried Bessey, gewählter Vorsitzender des Kirchengemeinderats der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde, überzeugt. Ohne die vielfältige Unterstützung der Bevölkerung hätte die evangelische Kirche den rund 2,7 Millionen Euro teuren Bau nicht finanzieren können. Auch das Defizit für den laufenden Betrieb, rund 180 000 Euro pro Jahr, muss aus Spenden und langfristig aus den Erträgen der Evangelischen Hospiz-Stiftung finanziert werden. Weil mit einem Hospiz kein Geld verdient werden darf, hat der Gesetzgeber geregelt, dass die Krankenkassen nicht die vollen Kosten übernehmen. Rund 30 Prozent der realen Kosten muss die Trägerin selbst aufbringen. Vor allem die Personalkosten sind hoch, weil man ausschließlich Fachkräfte beschäftige, betont Bessey.

Das erste Jahr im Hospiz sei gut gelaufen, berichtet auch Susanne Kränzle, die Gesamtleiterin des Hospiz. Sie kann sich auf ein fachlich und menschlich hoch engagiertes Team stützen. 2014 hat das Hospiz 71 Patienten – nahezu alle krebskrank – aufgenommen, die im Durchschnitt 26 Tage dort verbrachten. 250 Anfragen gab es in dieser Zeit. Dies zeige den hohen Bedarf, so Kränzle. Die Wartezeit auf einen Platz betrage zehn bis 14 Tage. In den ersten drei Monaten dieses Jahres sind bereits mehr als 30 Menschen im Hospiz gestorben. Alle Patienten stammten aus dem Landkreis Esslingen. Darunter waren auch Menschen aus anderen Kulturkreisen, unter anderem Muslime. Dann achteten die Pflegekräfte besonders auf eine kultursensible Pflege, erklärt die Hospizleiterin. Im Hospiz aufgenommen wird, wer an einer unheilbaren, medizinisch nicht mehr therapierbaren und in absehbarer Zeit zum Tode führenden Erkrankung leidet. Die Aufnahme richtet sich nicht nach einer festgelegten Warteliste, sondern nach Dringlichkeit, betont Kränzle.

Aus ihrer Sicht ist mit den bestehenden acht stationären Plätzen der Bedarf im Landkreis derzeit gedeckt. Denn vorrangig wolle man dem Wunsch der Todkranken entsprechen, in vertrauter Umgebung sterben zu können. Deshalb sei die ambulante Begleitung das Kernstück der Hospizarbeit. Der ambulante Bereich des Hospiz betreut mehr als doppelt so viele Menschen wie der stationäre Bereich – zuhause, im Pflegeheim oder Krankenhaus.

Im stationären Hospiz können die Patienten ihren Alltag so gestalten, wie es ihnen gut tut – ohne feste Weck-, Essens- oder Besuchszeiten, erklärt Kränzle. Es herrsche eine familiäre, gastfreundliche Atmosphäre. Das bestätigten immer wieder Betroffene und Angehörige. Wer möchte, kann gemeinsam mit dem Personal und Angehörigen am großen runden Tisch in der gemütlichen Wohnküche die Mahlzeiten einnehmen. Angehörige dürfen rund um die Uhr kommen und bei Bedarf auch im Hospiz übernachten.

Betreut werden die Patienten durch Pflegefachkräfte und speziell geschulte Ehrenamtliche aus den Hospizdiensten im Landkreis. Ein fester Stab an Ärztinnen und Ärzten sorgt neben den jeweiligen Hausärzten für eine gute palliativmedizinische Versorgung. Für die seelsorgerliche Begleitung im Hospiz ist die evangelische Pfarrerin Dorothea Gölz-Most verantwortlich. Auch andere evangelische wie katholische Seelsorger kümmern sich um die Patienten. Die katholische Kirche unterstützt neben dem ambulanten Hospizdienst finanziell auch den jetzt stark erweiterten Bereich der Trauerbegleitung. 

Gefragt ist das Knowhow des Hospiz nicht nur in der direkten Begleitung von Patienten und deren Angehörigen. „Wir haben auch eine profilierte Stimme in gesellschaftlichen Fragen wie etwa der derzeitigen Diskussion um Sterbehilfe“, hat Weißenborn erfahren.

 

Ulrike Rapp-Hirrlinger

Quelle: Evangelische Landeskirche Württemberg ( http://www.elk-wue.de/meta/news/rss-meldungen/)
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