Vielseitig einsetzbare Multitalente

Sie müssen Multitalente sein und sind dafür auch gut ausgebildet. Ohne Diakoninnen und Diakone wären die Kirchengemeinden im Evangelischen Kirchenbezirk Esslingen um einiges ärmer. Gemeindediakone sind in der Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Familien im Einsatz, leiten Kinderbibelwochen oder Besuchsdienste bei alten und einsamen Menschen, schulen ehrenamtliche Mitarbeiter, halten Religions- und Konfirmandenunterricht oder organisieren Waldheimfreizeiten. „Unsere oberste Aufgabe ist die Zuwendung zu Menschen, die in Not sind“, sagt Diakon Hans Otto Maier.

14 Gemeindediakoninnen und – diakone arbeiten im Evangelischen Kirchenbezirk Esslingen auf insgesamt 10,5 Stellen. Die Verteilung ihrer Aufgaben- und Einsatzgebiete regelt der Gemeindediakonatsplan (GDP). „Die Arbeit der Diakone ist für uns eine Herzensangelegenheit“, betont Pfarrer Christoph Bäuerle, der als Dekansstellvertreter die Dienstaufsicht über die Diakone im Bezirk hat. „Sie sind eine unheimliche Bereicherung für die Arbeit der Kirchengemeinden und auch der Pfarrerinnen und Pfarrer“, sagt er. Pfarrer und Diakone begegneten sich auf Augenhöhe, bestätigt auch Maier. Er hat als Leitender Diakon die Fachaufsicht über seine Kollegen im Kirchenbezirk. Dennoch geht es Bäuerle darum, dass Diakone noch stärker als bisher als kompetente Mitarbeiter wahrgenommen werden.

Diakon heiße eigentlich „Dienender“, erklärt Bernhard Mutschler, promovierter Theologe und Professor an der Evangelischen Hochschule in Ludwigsburg. Dort erwerben Studierende zwei Bachelor-Abschlüsse: einen in Religions- und Gemeindepädagogik oder Diakoniewissenschaft, einen zweiten in sozialer Arbeit. Erst dann können sie als Diakone eingesegnet werden. Die Doppelqualifikation erweitere die Arbeitsmöglichkeiten und eröffne berufliche Perspektiven, so Mutschler. Theologie, Psychologie, Pädagogik, Sozialpädagogik, Didaktik und auch Sozialrecht stehen auf dem Lehrplan. Zudem sei das Studium stark praxisorientiert.

Die breit gefächerte Ausbildung ermöglicht es den Diakonen auch, je nach Lebenssituation und Alter angemessene und passende Aufgabenbereiche zu finden. „Waldheimarbeit macht man eher als jüngerer Mensch, Besuchsdienste eher als älterer“, sagt Maier. Auch auf diese Faktoren nehme der GDP Rücksicht. Für Mutschler ist Esslingen hier vorbildlich. Um sich darüber ein Bild zu machen, kommt er mit rund 60 Studierenden im Januar zum Austausch mit Gemeindediakonen nach Esslingen.

Um in Zeiten rückläufiger Einnahmen möglichst viele Stellen zu erhalten und gerecht zu verteilen, wurde 2001 der erste GDP für den Kirchenbezirk erarbeitet, 2003 von der Evangelischen Bezirkssynode beschlossen und seither etwa alle fünf Jahre fortgeschrieben. Die Bezirkssynode hat zur Koordination und Planung sowie für konzeptionelle Fragen des Diakonats einen ständigen Gemeindediakonatsausschuss eingesetzt.

War ein Diakon zuvor eher einer Kirchengemeinde zugeordnet – was bedeutete, dass andere Gemeinden leer ausgingen – haben die meisten Diakone jetzt verschiedene Einsatzorte und -bereiche. So ist Maier etwa sowohl in Esslingen-Mettingen als auch der Pliensauvorstadt mit Kinder-, Familien- und Gemeindearbeit und dem Besuchsdienst des Krankenpflegevereins betraut.

Um Stellenanteile aufzustocken, suchen die Gemeinden zunehmend nach Möglichkeiten, Teile fremd zu finanzieren. Nur gut die Hälfte der Stellen, nämlich 5,5 wird vom Kirchenbezirk bezahlt. „Fremdfinanzierungen etwa durch Kirchengemeinden, Krankenpflegevereinen oder andere Einrichtungen ermöglichen mehr Stellenanteile“, erklärt Bäuerle. Nicht jede Kirchengemeinde könne natürlich wie Hegensberg-Liebersbronn in Esslingen eine ganze Diakonatsstelle selbst finanzieren. „Doch die Gemeinden engagieren sich sehr, um etwa durch Fundraising Mittel aufzutun.“

Die ersten Diakone finde man bereits in der Bibel, erklärt Mutschler. Sie sollten Benachteiligte versorgen und zu ihrem Recht verhelfen, während sich die Apostel der Verkündigung widmeten. Doch erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sei die „tätige Liebe“, wie Mutschler den Dienst der Diakone übersetzt, zu einem festen Beruf geworden. „Bis zur Industrialisierung war die soziale Arbeit eine kommunale Angelegenheit.“ Weil dieses System schließlich überfordert gewesen sei, „erwachte das soziale Gewissen der Kirche“.

Für Bäuerle ist die Arbeit der Diakone unverzichtbar: „Wir brauchen das diakonische Profil in unseren Kirchengemeinden.“ Diakonie lehre auch zu sehen, wo Menschen Zuwendung brauchten und den Wurzeln der Not nachzugehen, ergänzt Mutschler. Er wünscht sich: „Die Kirche muss noch stärker den Stellenwert der Diakoninnen und Diakone wahrnehmen.“

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Quelle: Evangelische Landeskirche Württemberg ( http://www.elk-wue.de/meta/news/rss-meldungen/)
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