Sich gegenseitig bereichern und beschenken

Evangelische Landeskirche Württemberg

Stuttgart. Zu stärkeren ökumenischen Anstrengungen hat Bischof Dr. Gebhard Fürst die christlichen Konfessionen ermutigt. Angesichts der weltweiten Krisenherde sowie wachsender gesellschaftlicher und sozialer Herausforderungen brauche es überzeugenderes gemeinsames Reden und Handeln im Namen und in der Nachfolge Christi, sagte Bischof Fürst am Freitagabend in der Stuttgarter Domkirche St. Eberhard. Dorthin hatte er zu einem Gottesdienst aus Anlass der Verabschiedung des Ökumenismusdekrets „Unitatis redintegratio“ auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil vor 50 Jahren eingeladen. 

Basis glaubwürdiger Ökumene sei die Taufe auf den Namen Jesu Christi, betonte Bischof Fürst. Das habe das Zweite Vatikanische Konzil mit seinem Dekret festgestellt und damit für die damalige Zeit einen Paukenschlag getan. Christus selbst sei der Ursprung gelebter kirchlicher Einheit. In Christi Nachfolge können wir „befreit und gelassen die gemeinsame Wurzel unseres Glaubens entdecken und gangbare Wege der gegenseitigen Verständigung beschreiten“, sagte der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Er bezeichnete es als ökumenische Herausforderung, „eine gemeinsame Sprache zu finden, die die Menschen erreicht und die sie zu trösten und ihnen Hoffnung zu geben vermag“. 

Der württembergische evangelische Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried July sagte, seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil sei eine neue Weggemeinschaft der Christen möglich. Im Hören auf Christus bestehe Hoffnung, „ dass der Weg der vollen Gemeinschaft in versöhnter Verschiedenheit eines Tages möglich sein wird“. Er freue sich, dass bereits jetzt viel ökumenisches Miteinander möglich sei und wünsche, dass keine Müdigkeit auf dem gemeinsamen Weg eintrete. Das Jahr 2017 im Gedenken an die Reformation vor 500 Jahren solle ein Christusjahr werden. Christus selbst sei Anfang und Ende des Weges, so July.

Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Baden-Württemberg, Oberkirchenrat Prof. Dr. Ulrich Heckel, bezeichnete das Konzilsdokument als „Markstein“ in der Ökumene. Mit dem Dekret habe sich die katholische Kirche von der Erwartung verabschiedet, dass die anderen Kirchen zu ihr zurückkehren. So bezeichne das Ökumenismusdekret Andersgläubige in neuer Tonlage als „die von uns getrennten Brüder“. Alle Dankbarkeit für gewachsenes Miteinander schließe offene Wünsche nicht aus. Als Beispiel nannte der ACK-Vorsitzende eine Zulassung zur Kommunion für nichtkatholische Christen, etwa in konfessionsverbindenden Familien. Er wünsche sich Einheit des Leibes Christi als Vielfalt in der Einheit.

An der Feier nahmen als Gäste außer Landesbischof July und dem ACK-Vorsitzenden Heckel unter anderen der griechisch-orthodoxe Bischof Vasilios von Aristi sowie die evangelisch-methodistische Pfarrerin Gerda Eschmann teil. 

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