Geschenkt!

Evangelische Landeskirche Württemberg

Geschenkt. Ja, diese Erfahrung habe ich immer wieder gemacht. Das Schönste und Wichtigste im Leben bekommt man geschenkt.

Nie vergessen werde ich zum Beispiel diesen einzigartigen Moment als ich – gleich nach der Geburt – unsere Tochter zum ersten Mal in den Armen habe halten dürfen. Was für ein Glück, was für eine besondere Freude war das. Was für ein unvergleichliches Geschenk das Leben doch ist. An diesem neugeborenen Kind ist mir das so eindrücklich bewusst geworden. Das Wichtigste im Leben bekommt man geschenkt. Wie zum Beispiel Glück und Freude oder Gesundheit und Frieden, aber auch Freunde und die Familie oder eben dieses Kind. Als ich damals die Eltern angerufen habe und von unserem großen Glück berichten wollte, hat es mich dieses Geschenk Gottes so bewegt, dass ich kaum sprechen konnte.

So wird es auch im Stall von Bethlehem gewesen sein. Als Maria und Joseph den kleinen Jesus zum ersten Mal auf ihre Arme genommen und gedacht haben: Was für ein Geschenk! Da haben sie sicher alle anderen Sorgen und auch die schwierigen Umstände für einen Moment vergessen: Die Schikanen der Römer bei der Volkszählung, die Suche nach einer Unterkunft, die ungewisse Zukunft. Ihr Kind hat das alles überstrahlt. Gottes Geschenke bereiten tiefe Freude, dass sogar Beschwerliches oder Ärgerliches in den Hintergrund treten muss.

Mehr noch: Von außen betrachtet hat es sich damals im Stall nur um eine armselige Geburt gehandelt. Aber die Bibel erzählt, dass damals allen, die dort waren, klar geworden ist: Das Jesuskind ist nicht nur ihnen geschenkt worden. Es hat eine viel größere Bedeutung. Gott will mit diesem Kind die ganze Welt beschenken.

m 23. Dezember feiern wir den vierten Advent. Und wir erinnern uns an die Ankunft des göttlichen Kindes mitten in der Welt. Im Advent schauen wir aber auch auf den erwachsenen Jesus, der für viele sprichwörtlich ein Geschenk des Himmels ist. Er hat seinen Mitmenschen von der Liebe und vom Frieden Gottes erzählt, er hat ihnen in ihrer Not geholfen, ihre Herzen berührt. Er hat viele gesund gemacht oder von anderen Lasten befreit. Nicht weil sie es verdient hätten oder bessere Menschen gewesen sind, sondern weil sie Gottes Geschenk dankbar angenommen haben.

Ja, das Wichtigste und Schönste im Leben bekommt man geschenkt. Deshalb feiern wir Advent und Weihnachten. Deshalb beschenken wir uns gegenseitig. Und deshalb lohnt es sich auch, in jedes Geschenk Liebe und Sorgfalt zu packen. Denn so wird die Erinnerung an das größte Geschenk aller Zeiten wach gehalten und kann viele Menschen erreichen. Damit möglichst viele von Gott mit Freude und Frieden beschenkt werden.

Gerade die Weihnachtszeit erinnert mich immer wieder daran. Vielleicht haben Sie diese Erfahrung auch schon gemacht. Sogar Dinge, die ich mir eigentlich gut selber kaufen könnte, bekommen einen anderen Wert, wenn ein lieber Mensch sie mir schenkt.

Natürlich überdeckt der ganze Weihnachtsrummel viel vom ursprünglichen Anliegen der Festzeit. Und viele tun sich auch schwer, überhaupt geeignete Geschenke für ihre Lieben zu finden. Manche können auch nur wenig für Präsente ausgeben. Aber wertvolle Geschenke müssen nicht unbedingt viel Geld kosten. Einige meiner Freunde und Bekannten schätzen es, wenn man sich mal wieder gezielt verabredet, zu einem Essen um die Ecke oder auch zuhause, für einen Ausflug oder für einen schönen Film. Zeit, die man füreinander reserviert, ist ein wunderbares Geschenk.

Weil man das Schönste und Wichtigste im Leben geschenkt bekommt, lasse ich mir das Schenken und Beschenktwerden bestimmt nicht von Weihnachtsmuffeln vermiesen. Ich finde sogar, Schenken und Beschenkt-Werden sind ein echter Gegenentwurf zu einer Gesellschaft, die jede Leistung berechnet und fast alles nur noch in Geld ausdrückt.

Beim Beschenken darf man das Aufrechnen weglassen und sich von anderen Gedanken leiten lassen. Worüber würde sich der Beschenkte besonders freuen? Vielleicht auch über etwas Symbolisches, denn viele haben doch schon alles, was sie täglich brauchen? Wie kann ich vielleicht sogar einen guten Anstoß weitergeben, der diesem Menschen in seiner gegenwärtigen Situation weiterhilft, seinen Glauben stärkt oder einfach nur zeigt: Ich bin für Dich da. Vielleicht durch einen ermutigenden Brief oder durch ein anregendes Buch?

Wer sich so für andere aber auch für die Botschaft von Jesus öffnet, der setzt bereits um, wozu die Propheten, die Gottesmänner schon lange vor Jesu Geburt eingeladen haben. Ihre Botschaft war schlicht, aber hilfreich: „Ebnet den Weg für Gott!“ Macht Platz in eurem Leben für das, was Gott will! Macht die Hindernisse niedrig, dass Gott wirklich einziehen kann mit seinem Geschenk und mit Euch Weihnachten feiern! Tut, was ihr könnt, damit die Menschen um euch herum sich nicht in ihrem Kummer oder ihrem Unglück vergraben – sondern sich über Gottes Fürsorge freuen können!

So gesehen liegt es auch an mir, ob Gottes Geschenke ankommen, ob seine Freude sich in meinem und in vielen anderen Wohnzimmern ausbreiten kann wie damals im Stall.

Das Wichtigste im Leben bekommt man geschenkt. Das ist ein Teil der Weihnachtsbotschaft von Jesus. Also lassen Sie sich beschenken und geben Sie diese Freude weiter! Ich wünsche Ihnen dazu einen gesegneten, einen von Gott beschenkten vierten Advent.

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