Nadelöhr und Löwengrube

Evangelische Landeskirche Württemberg

"Welche Tiere kommen in der Bibel vor?" Die Antwort des Diplom-Theologen und Journalisten Christian Turrey kam prompt: "Alle!". Die Begründung ebenfalls: "In der Arche waren doch alle Tiere vertreten." Viele Tiere der Wilhelma finden sich jedoch auch an anderen biblischen Stellen. Warum also nicht mit der Bibel in der Hand durch Stuttgarts zoologisch-botanischen Garten ziehen?

Jedes Jahr gibt es in Bietigheim-Bissingen eine Sommerpredigtreihe, dieses Jahr steht sie unter dem Motto "Tierisch gut! Biblische Tiergeschichten". Passend zu dieser Reihe führte Christian Turrey eine gut 30-köpfige Gruppe der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Bietigheim durch die Wilhelma, zu Wachteln und Tauben, Schlangen und Kamelen. Die Idee zu dieser Führung war Turrey schon zum "Jahr mit der Bibel 2003" gekommen, ein- bis dreimal im Jahr bietet er sie an. Zurück zur Arche. Seit zwei Jahren darf sich die Wilhelma dank ihres Einsatzes für den Erhalt gefährdeter Haustierrassen "Arche-Park" nennen. Nach den biblischen Angaben, erläuterte Turrey, sei die Arche 135 Meter lang, 22,5 Meter breit und 13,5 Meter hoch gewesen. Reicht das für alle damaligen Tiere, auch die großen? "Es könnte passen. Auf drei Stockwerken hätten 280 Güterwagen Platz gehabt, mit 33.000 Schafen."

Menschen und Tier, so Turrey, würden in der Bibel fast gleichgestellt. Laut Prediger Salomo teilten sie das gleiche Schicksal. "Heute werden sie entweder als Schoßhündchen vermenschlicht oder aber in Massentierhaltung gehalten." Heute würden viele Tiernamen als Schimpfwörter gebraucht, früher seien sie normale Vornamen gewesen: "Deborah die Biene, Lea die Kuh."

Ein Reisesegen wünschte der Gruppe die Mut des Löwen, den Weitblick der Giraffe und die Vorsicht eines Hasen, dann begann der dreistündige Rundgang bei den Wachteln. Nach dem biblischen Bericht ließ Gott sie vom Himmel fallen, um sein nach den Fleischtöpfen Ägyptens lechzendes Volk in der Wüste zu versorgen. Fast einen Meter hoch lagen die nur 100 bis 125 schweren Zugvögel auf dem Boden. "Ein kräftiger Sturm kann die von der Reise erschöpften Vögel auf den Boden drücken." Wenn die Bibel von Perlhühnern spricht, ist laut Turrey der Pfau gemeint. "Pfauen und Affen wurden zur Unterhaltung am Hof des Königs gehalten, sie waren so etwas wie das Fernsehen heute." In 2. Chronik 9,21 ist zu lesen, dass eine Schiffsflotte Affen und Pfauen zu König Salomo brachte.

Der Adler, der seine Jungen wie ein Flugzeugträger emporhebt, wird in der Bibel mehrfach erwähnt und fand auch Eingang in das Kirchenlied "Lobe den Herren": "…der dich auf Adelers Fittichen sicher geführet…". Die Eule gilt als Symbol des einsamen, klagenden Rufers, etwa in Psalm 102. Warum sandte Noah eine Taube aus? Weil sie gute Augen hat, aus 30 Metern Entfernung Zeitung lesen könnte. In einem Versuch der amerikanischen Küstenwache fanden Tauben neun von zehn Schiffbrüchigen. Das Ratespiel biblischer Tiere gefiel Kindern und Erwachsenen genauso, der Bietigheimer Pfarrer Stephan Seiler-Thies brillierte bei der Darstellung von Stachelschwein und Nilpferd. Weil die Wilhelma seit einigen Jahren keine Löwen mehr hat, durfte beim Thema "Daniel in der Löwengrube" hielt die Fütterung der Seelöwen als Ersatz her. Dennoch gab es einige Informationen zum Löwen: Er wird 130 Mal in der Bibel erwähnt und ist das einzige Tier, das direkt mit Gott verbunden wird.

Weiter zur Schlange, die durch ihr Verhalten im Paradies, so Turrey, ein "ziemlich schlechtes Image" hat. Giftige Arten lehren die Israeliten das Fürchten. Doch die Schlange steht auch für Positives, siehe den Aesculapstab in der Medizin: "Wie eine sich häutende Schlange wird die Krankheit abgestreift." Der Elefant wird in den Apokryphen erwähnt, im 1. Buch der Makkabäer. Er wurde als Kampfelefant missbraucht, quasi als Vorläufer des Panzers. Obenauf befand sich eine Kiste mit vier Kämpfern. Auf das Spontantheaterstück beim Nilpferd (Hiob 40, 15 ff.) folgten die Esel. 736 Pferde und 435 Kamele brachten die Israeliten aus dem Exil mit, berichtet Nehemia 7,68. Aber 6.720 Esel. Ein kleiner Sprint der Tiere durch das Gelände ließ es erahnen: "Esel können bis zu 70 Kilometer pro Stunde schnell werden." Außerdem, so Turrey weiter, seien sie mit wenig Stroh und ein paar Disteln zufrieden, seien trittsicherer und ausdauernder als Pferde. Und Bileams Eselin (4. Mose 22) schenkte Gott sogar die Fähigkeit zum Sprechen.

Als letzte Station folgten die "Lastwagen der Antike", die Kamele. Bezieht sich Jesu Wort vom Kamel, das nicht durch ein Nadelöhr passt (Matthäus 19,24) auf ein Jerusalemer Stadttor? Oder entstand das Kamel durch die Verwechslung eines Buchstabens aus einem Schiffstau? Unabhängig von der Antwort ist das Kamel ein erstaunliches Tier: Es kann zwei Wochen ohne Wasser leben, lagert Wasser in Blut und Magen ein, in den Höckern Fett. Dann kann es 150 Liter auf einmal trinken. Es richtet sich so aus, dass es möglichst wenig Sonne abbekommt. Um nicht zu schwitzen, steigt die Körpertemperatur von 34 bis auf 40 Grad Celsius. Von wegen "blödes Kamel".

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